1. Wie kam und kommt das Licht in die Welt?
Prof. Dr. Hans-Joachim Blome, FH Aachen
Dienstag, 1. April 2008, 15:30 – 17:00 Uhr
Das den erdnahen Weltraum durchflutende Licht der Sonne, die Strahlung der übrigen Sterne unserer Galaxis und die
kosmologische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung sind die wesentlichen Bestandteile des Lichts in der Weltraumumgebung der
Erde. Im heutigen Kosmos ist die mittlere Energiedichte der Materie zwar größer als die Energiedichte der
elektromagnetischen Strahlung, aber die in der kosmologischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung steckenden Photonen
übertreffen an Zahl bei weitem die in den Sternen und Galaxien produzierten Photonen.
Während der Ursprung der stellaren Photonen in den thermonuklearen Fusionsprozessen zu suchen ist, resultieren die
Photonen der Mikrowellen-Hintergrundstrahlung vermutlich aus den Annihilationsprozessen von Teilchen und Antiteilchen im
frühen Universum. Emanzipiert von der Materie haben sich diese Photonen aber erst ungefähr 300 000 Jahre
nach dem „Urknall”. Die kosmologische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung ist das Nachglühen der
heißen Anfangsphase des expandierenden Universums. Die Frage nach dem Ursprung der Lichts weist zurück zum
Anfangszustand des Kosmos und ist auch verknüpft mit der Frage nach der Entstehung der Materie, der Dominanz der
Materie über die Antimaterie und mit dem Problem „Warum wird es nachts dunkel?”.
Zum Referenten:
Prof. Dr. Hans-Joachim Blome war langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Astrophysik
der Universität Bonn und beim DLR. Seit 1999 lehrt und forscht er als Professor an der Fachhochschule Aachen im
Fachbereich der Raumfahrttechnik. Seine Arbeitsgebiete sind die Gravitationsphysik, Raumflugdynamik und Kosmologie.
Professor Blome hat zahlreiche wissenschaftliche und populäre Veröffentlichungen auf diesem Gebiet verfasst
wie „Der Urknall” von Blome / Zaun, erschienen im C.H. Beck-Verlag.
2. Der kosmische Mikrowellenhintergrund - eine
Botschaft aus der Anfangszeit von Licht und Materie
Prof. Dr. Matthias Bartelmann, Universität Heidelberg
Dienstag, 8. April 2008, 15:30 – 17:00 Uhr
Woher kommt das Helium? Diese Frage hat vor mehr als 60 Jahren zur Vorhersage des kosmischen Mikrowellenhintergrunds
geführt. Entdeckt wurde er dann etwa 20 Jahre später. Dass die Vorläufer unserer heutigen kosmischen
Strukturen Spuren in ihm hinterlassen haben sollten, steht seit fast 40 Jahren fest, und dass man sie zunächst nicht
fand, führte zu dem Postulat, dass die Dunkle Materie im Universum aus schwach wechselwirkenden, schweren
Elementarteilchen bestehen sollte. Vor 15 Jahren bestätigte der Cobe-Satellit zwei wesentliche Eigenschaften des
Mikrowellenhintergrunds: Er entstand aus thermischem Gleichgewicht heraus und weist tatsächlich
Temperaturschwankungen auf, in denen wir die heutigen kosmischen Strukturen angelegt sehen. Mit seiner erheblich
verbesserten Winkelauflösung liefert der WMAP-Satellit Daten, die es im Einklang mit anderen kosmologischen Messungen
erstmals erlauben, ein kosmologisches Standardmodell festzulegen. Der Planck-Satellit, der ab 2009 den
Mikrowellenhintergrund mit abermals erheblich gesteigerter Winkelauflösung und Empfindlichkeit beobachten soll,
wird die Informationsfülle dieser gut codierten Botschaft aus dem frühen Universum weiter entschlüsseln
helfen.
Zum Referenten:
Prof. Dr. Matthias Bartelmann studierte Physik und Astronomie an der LMU München und wurde 1992 promoviert.
Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astrophysik von 1992 bis 2003, unterbrochen durch
einen Postdoc-Aufenthalt am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (USA) von 1994-1995. Ab 1997 war er
wissenschaftlicher Projektleiter des deutschen Beitrags zum Planck-Projekt, bevor er 2003 auf einen Lehrstuhl für
theoretische Astrophysik an die Universität Heidelberg berufen wurde. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Entstehung
und Entwicklung kosmischer Strukturen.
3. Von der Entstehung der Galaxien und der großräumigen
Verteilung der Materie
Prof. Dr. Hans-Walter Rix, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg
Dienstag, 15. April 2008
Im Durchschnitt ist das heutige Universum, mit einem Atom pro Kubikmeter, langweilig. Doch kleine anfängliche
Dichteschwankungen nach dem Urknall, die im kosmischen Mikrowellenhintergrund erkennbar sind, sind durch
Gravitationsinstabilität nach und nach zu einem filamentartigen kosmischen Netzwerk dunkler Materie gewachsen, an
dessen Knoten 1000-mal dichtere Galaxien entstanden sind. Diese uns doch eher vertrauten Galaxien, wie unsere eigene
Milchstrasse, haben sich dort als sehr kompakte „Kondensate” baryonischer Materie gebildet, stellen aber nur
einen winzigen Bruchteil aller Masse (< 1%) im Universum dar. Jedoch zeigt die heutige „Population” aller
Galaxien in vielen ihrer Eigenschaften ein enormes Maß an (einst) überraschender Regelmäßigkeit.
Ich werde den Stand der jetzigen Forschung beschreiben, wie der Weg von zufälligen „Anfangsfluktuationen”
nach dem Urknall zu den ästhetisch ansprechenden und komplexen Galaxien heute durch eine Vielzahl von Beobachtungen
und Modellrechnungen nachvollzogen werden kann. Erstaunlich viel ist verstanden, aber manche grundlegende Fakten sind
noch vollkommen unerklärt.
Zum Referenten:
Prof. Dr. Hans-Walter Rix, geb. am 16. Jan. 1964 in Erlangen, studierte Physik und Astronomie in Freiburg,
München und Tucson/Arizona. Promotion an der University of Arizona (1991). Nach weiteren Stationen in den USA
(Institute for Advanced Study, Princeton, 1991-94) und Deutschland (Max-Planck-Institut für Astrophysik, 1994-95)
Rückkehr als Assistant Professor, später Associate Professor an die University of Arizona (1995-98). Seit 1999
ist er Direktor am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Sein Forschungsgebiet umfasst die Struktur und
Dynamik von Galaxien sowie die Galaxienentstehung, die Struktur unserer Milchstraße, den Gravitationslinseneffekt
sowie schwarze Löcher in Galaxienkernen. Prof. Rix ist Mitglied im Science Team des „Hubble”-Nachfolgers
James Webb Space Telescope und ist als Vorsitzender der LBT-Beteiligungsgesellschaft am Bau und Betrieb des bisher
größten bodengebundenen Einzelteleskops „Large Binocular Telescope” auf dem Mount Graham/Arizona
beteiligt.
4. Licht und Leben: Von der Genese und Evolution der Lebenswelt
Dr. Gerda Horneck, DLR Köln-Porz
Dienstag, 22. April 2008, 15:30 – 17:00 Uhr
Die Geschichte unserer Biosphäre reicht mindestens 3,8 Milliarden Jahre zurück, wie Fossilienfunde im
ältesten Sedimentgestein belegen. Seit dieser Zeit hat sich das Leben von einfachsten Mikroorganismen zu der
heutigen Vielfalt und dem Artenreichtum entwickelt, und dabei die Erde selbst, vor allem ihre Atmosphäre und die
Gesteine, entscheidend mitgeprägt. Noch wissen wir nicht, wie das Leben einst entstanden ist und ob die Erde in
dieser Hinsicht ein Unikat im Universum ist oder ob Leben eher ein kosmisches Phänomen ist, das zwangläufig
immer dann entsteht, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind. Hierbei sind Masse und Energie eines
Sternes wesentliche Größen, die das Ausmaß eines lebensfreundlichen „Grüngürtels”,
der so genannten habitablen Zone, bestimmen.
Vom elektromagnetischen Spektrum eines Sternes, das sich über mehrere Größenordnungen von den
Röntgenstrahlen bis zu den Mikrowellen erstreckt, spielen vor allem die Ultraviolettstrahlung und der sichtbare
Bereich eine wesentliche Rolle bei Entstehung und Evolution von Leben. Photochemische Prozesse im Interstellaren Medium
führen zur Bildung vielfältiger komplexer organischer Moleküle. Noch ist es eine offene Frage, inwieweit
diese Moleküle im präsolaren Nebel überleben und so als Bausteine bei der Entstehung von Leben auf einem
Planeten dienen. Übermittler könnten Kometen und Meteoriten sein, die große Mengen an organischer Materie
enthalten. Auch in den Atmosphären der Planeten laufen weitere photochemische Prozesse ab. Da die Atmosphäre
der frühen Erde (bis vor 2,5 Milliarden Jahren) für das gesamte UV Spektrum der Sonne (> 200 nm) transparent
war, konnte eine UV-getriebene präbiotische Chemie direkt in den Wassern auf der Erdoberfläche ablaufen.
Allerdings ist dieser kurzwellige UV-Bereich für das Leben selbst äußerst schädlich, da er mit dem
Absorptionsmaximum des genetischen Materials, der DNA, zusammenfällt.
Mit der „Erfindung” der oxygenen Photosynthese löste das Leben eine entscheidende Veränderungen im
UV-Strahlenklima der frühen Erde aus: einen steilen Anstieg der Sauerstoffkonzentration in unserer Atmosphäre
vor etwa 2,2 Milliarden Jahren und damit einen photochemischen Aufbau der Ozonschicht in der Stratosphäre. Als Folge
wurde der lebensschädliche UV-Bereich < 290 nm herausgefiltert und das Leben konnte sich auch auf der
Oberfläche über die Kontinente ausbreiten. Mittlerweile hat das Leben mehrere Mechanismen entwickelt, um sich
dem UV-Strahlenklima der Erde anzupassen. Hierzu gehören (i) das Vermeiden der intensiven UV-Strahlung bei mobilen
Formen, (ii) die Entwicklung von Schutzpigmenten, und (iii) Reparaturprozesse von UV-geschädigter DNA. Diese Fakten
erlauben einen Ausblick auf die Folgen der jahreszeitlichen Ozonabnahme über der Antarktis sowie auf die
Lebensmöglichkeiten auf dem Mars, heute oder in seiner Frühphase.
Zur Referentin:
Dr. Gerda Horneck, Diplom-Biologin, Dissertation (Dr. phil. nat.) ist ehemalige stellvertretende Direktorin des
Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Leiterin der
Abteilung Strahlenbiologie in dem Institut (seit 2004 im Ruhestand). Seit der Apollo-16 - Mondmission (1972) hat sie
zahlreiche strahlenbiologische, zellbiologische und exobiologische Weltraumexperimente geleitet, bzw. in internationaler
Zusammenarbeit koordiniert, die auf bemannten Missionen (Spacelab, Internationale Raumstation) oder mit Robotikmissionen
(LDEF, EURECA, FOTON, ExoMars) durchgeführt wurden. In den letzten Jahren hat sie ihr Interesse der Astrobiologie
zugewandt, die sich mit den Bedingungen zur Entstehung, Evolution und Ausbreitung des Lebens im Rahmen der kosmischen
Evolution befasst. Sie ist Mitbegründerin des Europäischen Astrobiologie-Netzwerkes, und Koordinatorin eines
Vorlesungs-Netzwerkes zur Astrobiologie, in dem fünf europäischen Universitäten mit der Europäischen
Weltraumbehörde ESA zusammengeschlossen sind. Ferner ist sie Beraterin von nationalen, europäischen und
internationalen Organisationen (ESA, NASA, European Science Foundation) in Weltraumangelegenheiten und leitet in der
Internationalen Astronautischen Akademie die Kommission 2, die sich mit Weltraummedizin und -biologie befasst. Sie ist
Autorin von über 60 wissenschaftlichen Publikationen und hat mehrere Bücher zur Astrobiologie und
Weltraumbiologie herausgegeben.
5. Die Substanz des Kosmos: Materie, Energie oder Quanteninformation?
Prof. Dr. Thomas Görnitz, Universität Frankfurt
Dienstag, 29. April 2008, 15:30 – 17:00 Uhr
Die Quantentheorie hebt das Lego-Weltbild des 19. Jahrhunderts von letzten, grundlegenden materiellen Objekten auf und
relativiert Unterscheidungen zwischen Ausgedehntem und Lokalisiertem (Welle-Teilchen-Dualismus), zwischen Materie und
Bewegung (E = mc2) und zwischen Kraft und Stoff (2. Quantisierung). Darüber hinaus kann
man in einer Weiterentwicklung der philosophisch begründeten Vorstellungen von Carl Friedrich v. Weizsäcker
und von Bekensteins und Hawkings Theorie der Entropie der Schwarzen Löcher eine kosmologisch fundierte abstrakte
und absolute Quanteninformation definieren, die wegen der Abstraktion von „Bedeutung” mit einem neuen Begriff
bezeichnet wird: „Protyposis”.
Sie kann sich zu Materie ausformen, wodurch diese tatsächlich verstehbar wird. Mit der Protyposis wird es erstmalig
auch möglich, von der Naturwissenschaft her die Frage des Bewusstseins zu beantworten.
Zum Referenten:
Prof. Dr. Thomas Görnitz ist Professor für Didaktik der Physik an der J.-W.-Goethe-Universität
Frankfurt und Vorsitzender der Carl-Friedrich-v.-Weizsäcker-Gesellschaft. Nach dem Studium der Physik und Mathematik
und der Promotion an der Universität Leipzig und einer politisch bedingten Unterbrechung seiner Forschungslaufbahn
ging er 1979 nach der Ausreise aus der DDR an das Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der
wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg. Carl Friedrich v. Weizsäcker gewann ihn für eine jahrzehntelange
gemeinsame Arbeit, um die grundlegenden Verständnisfragen der Quantentheorie zu erforschen. Es folgten
Forschungsprojekte zu kosmologischen und mathematischen Fragen der Quantentheorie an verschiedenen
Max-Planck-Institutionen und an der TU Braunschweig.
Aktuelle Bücher von ihm sind:
„Quanten sind anders” (1999, TB 2006),
„Der kreative Kosmos - Geist und Materie aus Quanteninformation” (2002, TB 2006),
„Die Evolution des Geistigen / Quantenphysik – Bewusstsein – Religion” (2008)
6. Materie und Bewusstsein
Prof. Dr. Harald Lesch, Universität München
Mittwoch, 21. Mai 2008, 15:30 – 17:00 Uhr
Die Verbindungen von Bewusstsein und Materie sind seit langer Zeit Thema in der Philosophie und in anderen Wissenschaften.
Zur Eingrenzung und Fokussierung auf das, was ein Physiker dazu zu sagen hat, wird sich der Vortrag entlang der folgenden
Argumentationslinie bewegen:
Wir kennen kein Bewusstsein ohne Materie, aber durchaus Materie ohne Bewusstsein. Die grundlegende Theorie der Materie ist
die Quantenmechanik. Der Sitz des menschlichen Bewusstseins ist das Gehirn. Was sind die Bedingungen für die
Eigenschaft Bewusstsein im Gehirn? Liefert die Quantenmechanik die Antwort?
Zum Referenten:
Prof. Dr. Harald Lesch, vielen bekannt vor allem durch seine Fernsehreihe bei Alpha Centauri (BR), hat in Giessen
und Bonn Physik studiert und 1987 an der Universität Bonn promoviert. Danach folgten mehrjährige
Forschungsaufenthalte an der Landessternwarte Königstuhl in Heidelberg und am Max-Planck-Institut für
Radioastronomie in Bonn, wo er sich 1994 auf dem Gebiet der galaktischen Dynamik und Magnetfelder habilitierte. Seit
August 1995 ist Harald Lesch Professor für Theoretische Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität
München, ferner seit 2002 mit Lehre beauftragter Professor für Naturphilosophie an der jesuitischen Hochschule
für Philosophie in München. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Relativistische Plasmaphysik,
Schwarze Löcher und Pulsare, Bio-Astronomie sowie Fragen nach den philosophischen Konsequenzen physikalischer
Theorien (Naturphilosophie). Professor Lesch erhielt für seine Arbeiten in Wissenschaft und Publizistik zahlreiche
Preise und Ehrungen, unter anderem die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft, den Bennigsen-Förder-Preis
des Landes Nordrhein-Westfalen, den Communicator-Preis des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und der
Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie eine Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik der Deutschen
Physikalischen Gesellschaft.
Bücher von ihm sind:
„Kosmologie für Fußgänger” (zusammen mit Dr. Jörn Müller, Goldmann-Verlag),
„Kosmologie für helle Köpfe” (ebenfalls mit Dr. Jörn Müller, Goldmann-Verlag),
„Big Bang 2. Akt” (wiederum mit Dr. Jörn Müller, Bertelsmann-Verlag),
„Physik für die Westentasche” (Piper-Verlag).
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