1. Neues vom globalen Klimawandel
Dr. habil. Helmut Kühr, DLR Bonn
Dienstag, 17. April 2012, 15:30 – 17:00 Uhr
Im Vortrag werden die komplexen Zusammenhänge des irdischen Klimasystems aufgezeigt und deutlich gemacht, wie wichtig
eine gründliche Kenntnis davon für das Verständnis unserer Lebenswelt ist. Der Vortragende orientiert sich
dabei zum einen an den internationalen Aktivitäten in den Bereichen geo-wissenschaftlicher bzw. paläoklimatischer
Forschung zum besseren Verständnis des Klimasystems – sowie seiner Beeinflussung durch den Menschen – und
zum anderen an der Klimamodellierung.
Insbesondere werden die Ergebnisse des Syntheseberichts vorgestellt, der in regelmäßigen Abständen vom
zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimafragen der Vereinten Nationen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC)
erstellt wird und in einer umfassenden Analyse sowohl den gegenwärtigen Erkenntnisstand widerspiegelt als auch neue
Fakten für die Vertiefung des Wissens über die zukünftige Klimaentwicklung einbezieht.
Der Vortragende wird über seine Erfahrungen im Rahmen der Verhandlungen zur Klimakonvention der Vereinten Nationen
berichten und die Rollen der maßgeblich an diesem Prozess Beteiligten beleuchten.
Zum Referenten:
Dr. Helmut Kühr arbeitet im Internationalen Büro des Bundesforschungsministerium (BMBF) in Bonn im Bereich
der multilateralen Forschungszusammenarbeit. Er war langjähriger Leiter der nationalen Koordinierungsstelle des
Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC. Seine Ausbildung zum Physiker erhielt er in Hamburg und Bonn; er forschte
an mehreren Max-Planck-Instituten auf dem Gebiet der astronomischen Grundlagenforschung und erhielt ein Humboldt-Stipendium
für einen vierjährigen Aufenthalt in den USA. Er habilitierte sich 1987 in Heidelberg.
2. Mehr Sonnennutzung gegen mehr Erderwärmung
Dr.-Ing. Hans-Gerd Dibowski, Solarforschung, DLR Köln-Porz
Dienstag, 24. April 2012, 15:30 – 17:00 Uhr
Die globale Erderwärmung wird mittlerweile als „menschgemacht” anerkannt. Wurden bis vor kurzem noch
natürliche Schwankungen wie Sonnenaktivitäten oder atmosphärische Phänomene dahinter vermutet, ist sich
die Wissenschaft nun aufgrund der vorliegenden Datenlage weltweit einig, dass anthropogenes Verhalten die zentrale Ursache
darstellt. Hiermit ist vor allem der globale Ausstoß von Kohlen-dioxid (CO2) durch die Verbrennung
fossiler Energieträger gemeint. Betrachtet man die jährlichen Steigerungsraten beim Verbrauch von Kohle und Öl
in den industriell aufstrebenden Ländern wie China und Indien und – trotz aller dagegen gerichteten Bemühungen
– auch die in den alten Industrienationen in Europa und den USA, sind Einspar- und Effizienz-Steigerungs-Ansätze
alleine betrachtet bei weitem nicht ausreichend, um eine weitere Zunahme der Emissionen zu verhindern.
Energie muss in der Zukunft in großen Mengen CO2-frei erzeugt werden können, sonst droht
der globale Kollaps. Hierfür gibt es drei Optionen, zwei davon sind nuklear (Spaltung, Fusion), die dritte erneuerbar.
Wasserkraft, Wind und Geothermie sind wichtige Säulen hierfür. Mit großem Abstand aber bietet die
Sonneneinstrahlung das größte Potential im direkten Vergleich. So empfangen die Wüsten der Erde in sechs
Stunden mehr Energie von der Sonne, als die Menschheit in einem Jahr verbraucht.
Neben der Photovoltaik dienen solarthermische Kraftwerke dazu, Strom umweltfreundlich und mittlerweile zu günstigen
Preisen herzustellen. Sie bestehen meist aus einem konventionellen Wärmekraftwerk, bei dem der Dampf für die
Dampfturbine durch konzentrierte Sonnenenergie erzeugt wird. Die Techniken zur solarthermischen Stromerzeugung haben mit
den bisher errichteten, kommerziell betriebenen Parabolrinnen-Kraftwerken in der kalifornischen Mojave-Wüste und in
einer Reihe von Forschungsvorhaben ihre energiewirtschaftliche Einsatzreife bewiesen. Der Vortrag gibt einen Überblick
über die unterschiedlichen Verfahren zur Konzentration von Sonnenlicht (Rinne, Turm, Dish), stellt die aktuellen
Entwicklungslinien bei solarthermischen Kraftwerken im Vergleich zur aktuellen Entwicklung bei der Photovoltaik auch
in Hinblick auf die zukünftigen Kosten dar.
Zum Referenten:
Dr. Hans-Gerd Dibowski ist Maschinenbau-Ingenieur und leitet im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt
(DLR) die solaren Großanlagen am Standort Köln. Zudem ist er Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Köln für
die Themengebiete Wärmeübertragung und Solarthermie. Der Kontakt zur Energie entstand vor mehr als zwanzig Jahren als
mehrjähriger Mitarbeiter bei Prof. Kugeler über die Weiterentwicklung des Kugelhaufenreaktors (HTR) und danach am
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg als Diplomand mit einem „solaren” Thema, zu einer
Zeit, als die großtechnische Nutzung der Solarenergie noch milde belächelt wurde. Ein Aufbaustudium über Energie-
und Umweltmanagement an der Technischen Universität Berlin sowie die Promotion an der Universität Kassel am Institut
für Bauphysik über die geothermische Nutzung der Solarenergie beschreiben die persönliche Bandbreite der solaren
bzw. erneuerbaren Energie-Themenfelder. Neben zahlreichen Vorträgen an Hochschulen wurden und werden immer wieder
wesentliche Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeiten im DLR in Fachbüchern oder -zeitschriften
veröffentlicht.
3. „Sterne und Weltraum” – eine 50jährige Erfolgsgeschichte
Dr. Jakob Staude, MPIA & Haus der Astronomie, Heidelberg
Dienstag, 8. Mai 2012, 15:30 – 17:00 Uhr
Sterne und Weltraum (kurz: SuW) ist die wichtigste deutschsprachige Zeitschrift für Astronomie. Sie erscheint monatlich in der
Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH. In ihr beschreiben Experten und Amateure sowohl aktuelle als auch grundlegende
Forschungsthemen und das Geschehen im Weltall aus erster Hand.
Die Zeitschrift, die 1962 von Hans Elsässer, Rudolf Kühn und Karl Schaifers gegründet wurde, blickt inzwischen auf
ein halbes Jahrhundert erfolgreiche Geschichte zurück – ein Erfolg, der auf Forschungsnähe, Aktualität und
Anschaulichkeit, Qualität und Kontinuität sowie Weitsicht und Fähigkeit zum Gestaltungswandel beruht. Monat
für Monat entsteht die Zeitschrift heute am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Anfangs erschien sie
als noch relativ dünnes Heft zunächst in Mannheim, später in München und seit 1996 in Heidelberg. Im Jahre
1997 wurde „Sterne und Weltraum” mit der seit 1921 ebenfalls monatlich erscheinenden Zeitschrift „Die Sterne”
unter Beibehaltung des Namens vereinigt.
Etwa einmal jährlich erscheinen sogenannte „Specials” und „Dossiers”, die vertieft Einblicke in ein
spezielles Thema bieten. Nach und nach ergeben diese Sonderhefte ein umfassendes und zugleich kompaktes Gesamtbild der Astronomie
und der Auseinandersetzung mit dem Universum.
Der Vortragende hat die Zeitschrift seit Oktober 1981 über ein Vierteljahrhundert „Sterne und Weltraum” verantwortlich
begleitet und gestaltet. Unter seiner Redaktionsleitung gewann die Zeitschrift zunehmend ihr heutiges, modernes Profil, das sie bei
Astronomen und Sternfreunden im deutschsprachigen Raum so beliebt macht. Doch wer könnte besser und authentischer von dieser
Erfolgsgeschichte berichten, als der Vortragende selbst?
Zum Referenten:
Mehr über Dr. Jakob Staude und sein berufliche Passion:
4. Der Venusdurchgang am 6. Juni – ein astronomisches Highlight
Dr. Manfred Gaida, DLR Bonn-Oberkassel (für Prof. Dr. Hilmar Duerbeck†)
Dienstag, 15. Mai 2012, 15:30 – 17:00 Uhr
Venusdurchgänge treten paarweise im Abstand von mehr als hundert Jahren auf. Deshalb ist der Eindruck, den sie auf die
astronomischen Forscherkreise und auf die interessierte Allgemeinheit machen, nicht nur astronomie-, sondern auch auch
kulturgeschichtlich bedeutsam. Im Vordergrund stand bis ins 19. Jahrhundert die genaue Bestimmung der Entfernung der Erde
von der Sonne mit Hilfe der Venusdurchgänge; heutzutage sind es mehr die Phänomene bei der Bedeckung eines Sterns
durch einen Planeten, wie sie mittlerweile auch bei extrasolaren Planetensystemen erfolgreich beobachtet werden.
Ich werde einige Beispiele aus dem 17. und 18. Jahrhundert erwähnen (Horrocks und Lomonossow), dann etwas ausführlicher
über Unternehmungen im 19. Jahrhundert berichten und schließlich auf moderne Beobachtungen und Erkenntnisse aus dem
Venusdurchgang des Jahres 2004 eingehen. Obwohl die Sichtbarkeit des bevorstehenden Durchgangs von Mitteleuropa nicht besonders
günstig ist, sollte man die Gelegenheit nutzen – der nächstfolgende Durchgang wird erst im Jahr 2117 zu
beobachten sein!
Zum Referenten:
Dr. Manfred Gaida ist Astronom und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Raumfahrtmanagement „Extraterrestrik” des
DLR und dort u.a. für die deutsche Experimentbeteiligung an den Missionen Cassini (Saturnsonde) und Corot (Suche nach
extrasolaren Planeten) verantwortlich. Ferner arbeitet er am DLR-Programm für Schulen mit und bringt Schulklassen in einem
Kölner Planetarium die Wunder des Sternenhimmels näher. Seit dem Jahr 2008 arbeitet er im Beirat der astronomischen
Zeitschrift „Sterne und Weltraum” mit.
In memoriam: Professor Dr. Hilmar W. Duerbeck (1948–2012), Honorarprofessor an der Universität Münster
und Associate Professor an der James Cook University in Townsville, Australien, betrieb astronomische Forschung in Bonn, Münster,
an der Europäischen Südsternwarte (ESO) La Silla und Santiago, am Space Telescope Science Institute in Baltimore, USA, sowie
an der Freien Universität Brüssel (VUB). Seine Forschungsinteresse galt vor allem den eruptiven Phasen in der späten
Sternentwicklung (Novae und ähnliches). Er war zudem astronomiegeschichtlich interessiert, Herausgeber der Acta Historica
Astronomiae (Frankfurt/M.) und des Journal of Astronomical History and Heritage Townsville), sowie Sekretär des
Arbeitskreises Astronomiegeschichte in der Astronomischen Gesellschaft. Seine Studien historischer Venusdurchgänge,
insbesondere der deutschen und belgischen Expeditionen von 1874 und 1882, führten zu weltweiten Kooperationen. Er war
Vorsitzender der Arbeitsgruppe Venusdurchgänge der IAU-Kommission 42 (Geschichte der Astronomie).
5. Extrasolare Planeten – auf dem Weg zur zweiten Erde
Prof. Dr. Artie Hatzes, Thüringer Landessternwarte Tautenburg
Dienstag, 22. Mai 2012, 15:30 – 17:00 Uhr
Von der Entdeckung und der Erforschung extrasolarer Planeten erhoffen sich Wissenschaftler wichtige Hinweise darauf, wie
Planetensysteme entstehen. Wie einzigartig ist unser Sonnensystem im Universum? Während der vergangenen 20 Jahre haben
Astronomen mehr als 600 extrasolare Planeten gefunden. Diese Exoplaneten weisen große Unterschiede auf, mit einer so
großen Vielfalt hatten die Forscher nicht gerechnet. Keiner zeigt die gleichen Eigenschaften wie die Planeten unseres
Sonnensystems.
Im nächsten Schritt geht es nun nicht mehr nur darum, extrasolare Planeten zu finden, sondern diese neuen Welten zu
klassifizieren: Wie groß sind ihre Masse, ihr Radius, ihre Dichte, wie hoch ihre Oberflächentemperatur? Welche
atmosphärischen Eigenschaften besitzen sie?
Die beiden Satellitenteleskope CoRoT und Kepler spielen bei der Beantwortung dieser Fragen eine wichtige Rolle. Sie richten
ihre Spiegel im Weltraum auf zigtausende Sterne, um mit Hilfe der sogenannten Transit-Methode extrasolare Planeten zu erforschen.
Das Forschungsgebiet ist sehr dynamisch, eines der Ziele lautet: einen Planeten zu finden, der unserer Erde gleicht.
Zum Referenten:
Professor Dr. Artie Hatzes ist Direktor der Thüringer Landessternwarte in Tautenburg und Professor für Astronomie
an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Suche nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems ist schon seit
vielen Jahren einer seiner Forschungsschwerpunkte. Artie Hatzes hat bereits mehrere solcher Exoplaneten entdeckt und ist seit
2004 Mitglied im internationalen CoRoT-Forschungsteam, das 2010 den ersten erdähnlichen Exoplaneten CoRoT-7b nachgewiesen
hat. Bevor er im August 2000 nach Tautenburg kam, forschte der Amerikaner am McDonald Observatory der University of Texas bei
Austin in den USA. Er wurde 1988 an der University of California in Santa Cruz promoviert. Hatzes hat zahlreiche wissenschaftliche
Artikel zu extrasolaren Planeten, zu stellarer Aktivität und zu pulsierenden Sternen veröffentlicht.
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