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Volkssternwarte Bonn
Astronomische Vereinigung e.V.
Wie gefährlich ist die Sonnenstrahlung bei Finsternissen?
Tips zur gefahrlosen Beobachtung von Sonnenfinsternissen
Zunächst einmal: während einer Sonnenfinsternis ist die Sonnenstrahlung nicht gefährlicher als sonst
auch.
Man muß sich also nicht zusätzlich vor ihr schützen, wenn man sich während einer Finsternis im Freien
aufhält.
Die einzige Gefahr, die tatsächlich besteht, bedroht das Sehvermögen des Beobachters:
Jeder direkte, ungeschützte Blick in die Sonne schädigt das Auge, ob mit oder ohne Sonnenfinsternis!
Die Natur hat uns mit dem Schmerzempfinden ausgestattet, um uns vor Gefahren zu warnen.
Unsere Hand ziehen wir unwillkürlich aus dem Feuer, weil's weh tut.
Die Netzhaut unseres Auges ist jedoch nicht schmerzempfindlich.
Vor grellem Licht schützen wir uns normalerweise durch reflexhaftes Blinzeln, und in gleißend helle Lichtquellen
blicken wir ganz automatisch gar nicht erst hinein.
Aber wegen des fehlenden Schmerzempfindens können wir uns relativ leicht dazu zwingen, direkt in die Sonne zu schauen.
Netzhautschäden durch das Sonnenlicht spüren wir dabei jedoch zunächst nicht.
Wenn sie sich dann später bemerkbar machen, sind sie bereits dauerhaft. Wer sich bei einem intensiv beobachteten
Sonnenuntergang über die schönen Nachbilder freut, die man bei geschlossenen Augen von der Sonne sieht, freut
sich nicht mehr, wenn er sie nach einigen Tagen und mit geöffneten Augen immer noch sieht.
Für gewöhnlich vermeiden wir den direkten Blick in die Sonne. Aber bei Sonnenfinsternissen wissen wir: da
oben tut sich etwas, und das wollen wir sehen!
Und so wird das Sonnenlicht bei Finsternissen zur Gefahr:
nämlich dann (und nur dann), wenn wir uns zwingen, ohne Augenschutz direkt in die Sonne zu blicken.
Darum also: Sonnenfinsternisse nur mit ausreichendem Augenschutz beobachten!
Ein ungeschützter Blick in die Sonne ist nur während der totalen Phase einer totalen Sonnenfinsternis
erlaubt!
Natürlich muß man nicht während der gesamten Finsternis mit einer Finsternisbrille auf der Nase
durch die Gegend stolpern. Aber solange man direkt in die Sonne sieht: unbedingt die Augen schützen!
Verantwortlich für die Gefahr sind die Anteile des Sonnenlichts, die unser Auge nicht wahrnehmen kann:
Wirksamen Schutz vor diesen schädlichen Sonnenstrahlen bieten nur die im Handel erhältlichen
Sonnenfinsternisbrillen!
Alle anderen Hilfsmittel taugen nichts. Sie dämpfen zwar die sichtbare Sonnenstrahlung, lassen aber den
gefährlichen unsichtbaren Anteil unbemerkt hindurch.
Dringend abzuraten ist daher von allen Basteleien mit Sonnenbrillen (auch mehreren übereinander) und anderen
getönten oder gefärbten Gläsern (z.B. rußgeschwärzten Glasscheiben), belichteten Photonegativen,
geschwärzten Röntgenfilmen, gekreuzten Polarisationsfiltern, CDs usw. — das geht unweigerlich ins Auge!
Früher enthielten Filmnegative Silber, welches die IR-Strahlung dämpfte.
Die Farbpigmente in den heutigen Filmen tun das jedoch nicht.
Auch bei dünner Bewölkung oder Nebel ist die IR-Strahlung der Sonne noch stark genug, um das Auge zu
schädigen. Darum gilt auch hier: nur mit Finsternisbrille in die Sonne schauen!
H. Burghardt
(3. 3. 2006) |
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