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Das bewegte Universum
Dr. Andreas Brunthaler
(Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn)
Auf den ersten Blick erscheint der Sternenhimmel starr und unbeweglich. Dabei bewegen sich die meisten Objekte mit
astronomischen Geschwindigkeiten durch das Universum. So wie die Planeten um die Sonne kreisen, läuft auch die
Sonne um das Zentrum der Milchstraße und erreicht dabei eine Geschwindigkeit von über 220 Kilometer pro Sekunde.
Der scharfe Blick moderner Teleskope ermöglicht es, die Bewegungen mit hoher Genauigkeit zu messen; dabei
beschert insbesondere das Zusammenschalten von Radioteleskopen über Entfernungen von Tausenden von Kilometern eine
Präzision, mit der man sogar die Bewegung von anderen Galaxien messen kann. Die Messungen der Bewegungen liefern
zugleich wichtige Informationen über fundamentale Eigenschaften der Objekte wie ihre Masse und damit ihren Anteil
an Dunkler Materie oder ihre Entfernung.
In diesem Vortrag werden die Methoden der kosmischen Geschwindigkeitsmessung und die wichtigsten Ergebnisse
vorgestellt.
Donnerstag, 19. März 2009
Wie klingt der Himmel? – Eine akustische Raumfahrt
Paul Hombach
(Volkssternwarte Bonn)
Es begann mit einem Buch voller astronomischer Daten: Planetenpositionen, Mondphasen, Ostertermine etc. In
solchen Zahlenkolonnen steckt Musik! Der Autor - Berufsmusiker, Komponist und langjähriger Amateurastronom
- entwickelte Mitte der 1990er Jahre eine Methode, um diese Daten in Klangereignisse zu übersetzten. Die Grundidee,
Daten zu „verklanglichen”, wird Sonifikation genannt und erfreut sich in der Wissenschaft wachsender
Beliebtheit.
Der Vortrag stellt verschiedene Arten der Sonifikation und „Sphärenmusik” vor und enthält
natürlich zahlreiche Eigenkompositionen. Lauschen Sie dem Rhythmus der Venustransits, den Spektralklassen der
Sterne, den langfristigen Entwicklungen des gregorianischen Kalenders ebenso wie der Sichtbarkeit von Sonnenfinsternissen.
Mittwoch, 27. Mai 2009
Der Himmel über Babylon – Astronomie im Alten Orient
Dr. Mathieu Ossendrijver
(Altorientalisches Seminar der Universität Tübingen)
Keilschrifttexte belegen die Existenz einer hochentwickelten, vielfältigen Astronomie in Babylonien. Dies
fängt an mit astrologischen Omina in der altbabylonischen Zeit (1900 – 1600 v. Chr.), und kulminiert
in der Entstehung der ältest belegten mathematischen Astronomie in der spätbabylonischen Zeit
(450 v. Chr. – 100 n. Chr.). Die mesopotamischen Astronomen verdanken ihren Erfolg der
systematischen Himmelsbeobachtung und der Entwicklung effizienter Rechenverfahren. Dabei gelang es ihnen, unter sich
ändernden politischen Bedingungen die Relevanz ihres Faches durch ein geschicktes Anpassungsvermögen bis zum
Ende der Keilschriftkultur immer wieder zu gewährleisten.
Mittwoch, 24. Juni 2009
Fundamentalphysik mit Hilfe der Astronomie
Prof. Michael Kramer
(Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn)
Die Frage nach den Grundgesetzen der Natur ist eine, der insbesondere in den Tiefen des Weltraumes nachgegangen
werden muss. Nur so ist es möglich, extreme Bedingungen zu finden, welche die heutige bekannte Physik auf die
Zereißprobe stellen. Ist es wirklich der Fall, dass wir die ganze Physik heute schon kennen? Die Antwort ist
offenbar nein, obwohl das letzte Jahrhundert gerade mit der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Quantenphysik
zwei extrem erfolgreiche Theorien hervorgebracht hat. Das Ziel astronomischer Beobachtungen ist es daher auch, den
Gültigkeitsbereich heutiger Theorien zu vermessen. Der Vortrag wird Beispiele beinhalten, wie das insbesondere
mit sogenannten Pulsaren erreicht werden kann – heute und in der Zukunft.
Donnerstag, 27. August 2009
Was ist bloß mit der Sonne los? –
Sonnenfleckenminimum länger und tiefer als seit fast 100 Jahren
Dr. Jürgen Wirth
(Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln)
Seit fast einhundert Jahren hat es nicht mehr so wenige Sonnenflecken gegeben wie in den letzten Monaten seit
Anfang 2008. Das derzeitige Sonnenflecken-Minimum ist dabei länger und tiefer als gewöhnlich. Ist das der
Anfang einer neuen, längeren Minimums-Periode wie dem Maunder-Minimum nach Galileo Galileis ersten
Sonnenflecken-Beobachtungen? Wann wird sich neue Sonnen-Aktivität entwickeln und das nächste Maximum
stattfinden? Welche Auswirkungen auf das irdische Klima können sich daraus ergeben und welche physikalischen
Prozesse stehen möglicherweise hinter diesem ungewöhnlichen Verhalten der Sonne?
Der Vortrag wird diesen Fragen nachgehen und sie in den Gesamtzusammenhang unserer Kenntnisse über den
solaren Aktivitätszyklus stellen.
Donnerstag, 29. Oktober 2009
Evolvieren die Naturkonstanten bei der kosmischen Expansion?
Prof. Hans Jörg Fahr
(Argelander-Institut für Astronomie, Bonn)
Unser menschlicher Verstand glaubt bei Ansicht des Naturgeschehens tiefe Gesetzmäßigkeiten hinter diesem
Geschehen erkennen zu können. Er versteht die Natur, obwohl diese doch wohl nicht die Natur des Verstandes ist. Bei
allen Versuchen, solche Gesetzmäßigkeiten in Form physikalischer Gleichungen zu formulieren, ergeben sich
mathematisch-formelmäßige Darstellungen, in denen, wie der Vortrag zeigen soll, zwangsweise gewisse
Naturkonstanten auftreten. Wie sich bei genauem Studium dieser Gegegenheiten erweist, kann aber das solchermaßen
formulierte Naturgeschehen nur dann eine akzeptable Repräsentation der Realität dieser Welt ergeben, wenn diese
Naturkonstanten, wie etwa die Elementarladung, die Lichtgeschwindigkeit, das Wirkungsquantum etc., nicht nur konstante,
sondern ganz bestimmte, sakrosankte Werte haben und dies auch schon immer in den frühen Zeiten der Evolution des
Kosmos hatten. Schon bei geringfügig anderen als den heute gültigen Werten dieser Konstanten wäre nicht
nur unsere Welt, sondern auch wir als Menschen in ihr völlig verloren. Wie kann aber eine solch extreme
Sensibilität unserer Weltdarstellung gegenüber den Werten der verwendeten Konstanten verstanden werden? Hat
Gott das eben alles so eingerichtet, daß es gerade klappt? Oder haben wir mit unserem physikalischen Weltbild
ein viel zu anfälliges, und damit baufälliges Weltkonstrukt zurechtgezimmert, das in der Zukunft noch einer
sehr grundsätzlichen Revision bedarf?
Donnerstag, 19. November 2009
Aktivität von Sonne und Sternen
Prof. Jürgen Schmitt
(Hamburger Sternwarte, Universität Hamburg)
Eine weitgefächerte Phänomenologie beschreibt die Aktivitätseigenschaften der Sonne, die sich
über das gesamte elektromagnetische Spektrum vom Radiobereich bis hin in den Gamma-Bereich nachweisen lassen. Alle
Aktivitätsindikatoren variieren im 11-Jahresrhythmus des Sonnenfleckenzyklus und legen einen letztendlich
magnetischen Ursprung nahe. Als Ursache der magnetischen Aktivität der Sonne wird ein magnetischer Dynamo
angenommen, der tief im Sonneninnern ein neues Magnetfeld erzeugt, das durch magnetischen Auftrieb an die Oberfläche
gelangt und dort beobachtbar wird. Es stellt sich die offensichtliche Frage, inwieweit ähnliche Prozesse auf anderen
Sternen stattfinden, inwieweit die Sonne ein typisches Verhalten aufweist, und welche Stellarparameter die Stärke
der beobachteten Stellaraktivität kontrollieren.
Im Vortrag werden die verschiedenen zum Studium stellarer Aktivität verwendeten Methoden diskutiert und die
zentralen Ergebnisse und Erkenntnisse der letzten Dekaden vorgestellt.
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Geheimnisse der Saturnmonde:
Wassersprühende Geysire, Methanseen und gefrorene Eiswelten
Dr. Norbert Krupp
(Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau)
Seit 2004 befindet sich die Mission Cassini/Huygens in einer Umlaufbahn um Saturn. Auf ihrer Bahn fliegt die
Raumsonde auch sehr nahe an verschiedenen Monden des Saturnsystems vorbei. Im Vortrag werden Ergebnisse der
wissenschaftlichen Instrumente präsentiert, die die faszinierende Welt der Monde und ihrer Umgebung beschreiben.
Ein Schwerpunkt wird dabei bei den Monden liegen, die eine Atmosphäre tragen bzw. deren Oberflächen von
Wassereis wesentlich mitbestimmt werden.
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