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Volkssternwarte Bonn
Astronomische Vereinigung e.V.

Nachruf auf Hans Schmidt
14.7.1920 – 5.7.2003
von Prof. Klaas de Boer und Dr. Michael Geffert
Mit freundlicher Genehmigung der Astronomischen Gesellschaft*)
Am 5. Juli 2003 verstarb der Bonner Astronom Professor Dr. Hans Schmidt. Sein Name ist verbunden mit dem Aufstieg der Bonner Astronomie in den fünfziger Jahren und mit der Errichtung und der erfolgreichen Arbeit des Observatoriums Hoher List, der Außenstelle der Bonner Sternwarte bei Daun in der Eifel. Die Bonner Astronomie verliert mit Hans Schmidt einen Menschen, der nicht nur als Wissenschaftler, Hochschullehrer und Institutsdirektor Großes geleistet hat, sondern auch als Freund vielen Bonner Astronomen in Erinnerung bleiben wird.
Hans Schmidt wurde am 14. Juli 1920 in Remscheid-Lüttringhausen geboren. Nach erfolgreichem Besuch der Volksschule seines Heimatortes wechselte er 1931 zum Röntgengymnasium in Remscheid-Lennep. Bedingt durch den Umzug seiner Eltern nach Bonn-Bad Godesberg besuchte Schmidt ab 1935 das Pädagogium in Bad Godesberg, wo er 1939 die Reifeprüfung ablegte. Im gleichen Jahr begann er sein Studium der Naturwissenschaften in Jena und wechselte im April 1940 als Student an die Bonner Universität, wo er 1942 im Alter von nur 22 Jahren mit einer Untersuchung über Gasentladungen promovierte. Nach einer kurzen Zeit in der Industrie kehrte Hans Schmidt im Jahre 1945 nach Bonn zurück, wo er zuerst Mitarbeiter und 1954 Observator an der Sternwarte der Bonner Universität wurde. 1966 folgte die Berufung zum ordentlichen Professor, verbunden mit der Leitung der Bonner Sternwarte. Hans Schmidt war ein Astronom, der sowohl den Bau astronomischer Geräte beherrschte, als auch diese dann erfolgreich bei wissenschaftlichen Untersuchungen anwendete. Ein Beispiel sind seine Arbeiten über die lichtelektrische Fotometrie von engen Doppelsternsystemen, die er mit dem selbst gebauten Fotometer am Hohen List durchführte. Schmidts Veröffentlichungen waren immer von ungewöhnlicher Präzision und Klarheit. In Diskussionen liebte er es, das Wesentliche herauszuarbeiten und die Dinge – wie er es nannte – „auf den Punkt zu bringen”.
Die Außenstelle der Bonner Sternwarte, das Observatorium Hoher List bei Daun in der Eifel, verdankt Hans Schmidt seine Existenz. Er war die treibende Kraft bei der Planung und dem Bau der Eifelsternwarte, die heute auf eine 50jährige erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken kann. In der Nachkriegszeit erforderte ein solches Unternehmen sowohl Fingerspitzengefühl als auch Durchsetzungsvermögen. Lichtelektrische Fotometrie, Spektroskopie, Astrometrie und die Instrumentenentwicklung waren die Hauptarbeitsgebiete des Observatoriums, das bis heute viele internationale wissenschaftliche Verö#entlichungen hervorgebracht hat. In den siebziger und achtziger Jahren wurde das Observatorium Hoher List von etlichen Astronominnen und Astronomen aus dem In- und Ausland besucht, die dort ihre Beobachtungen machen konnten.
Da der Aufbau des Observatoriums in der Eifel ganz allein in seinen Händen lag, mußte Schmidt zu seinem großen Bedauern die eigene Forschung hintenan stellen. Nach dem Aufbau hat Schmidt Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre den Umzug der Astronomischen Institute nach Bonn-Endenich geplant und geleitet. Das Ziel seiner Bemühungen war immer darauf gerichtet, Kollegen und Mitarbeitern die Voraussetzungen zu schaffen, daß sie effektiv forschen konnten.
Hans Schmidt war einer der Astronomen der Nachkriegsgeneration, die der Astronomie in Deutschland bei ihrem Neuaufbau nach 1945 entscheidende Impulse gegeben haben. Seine Weitsicht erlaubte es ihm, schon früh die Aufmerksamkeit seiner Kollegen auf kommende Entwicklungen zu lenken. So beschäftigte er sich bereits Anfang der fünfziger Jahren mit Untersuchungen zur interstellaren Absorptionsspektroskopie und hielt im Jahre 1951 als optischer(!) Astronom seine Antrittsvorlesung mit dem Thema „Radioastronomie”.
In den siebziger Jahren unterstützte er alle Bemühungen um den Erhalt und die wissenschaftliche Nutzung des Bonner Doppelrefraktors. Schon früh hatte er erkannt, daß die Positionsastronomie, die sogenannte Astrometrie, wieder eine bedeutende Rolle in der Astronomie spielen würde, was dann in den achtziger und neunziger Jahren durch das Hipparcos-Projekt auch tatsächlich eintrat und Bonn zu einem der Zentren der Astrometrie in Deutschland machte. Eine große Stärke von Hans Schmidt war seine Fähigkeit, Laien astronomische Sachverhalte verständlich zu machen. In Vorträgen vor verschiedenstem Publikum verstand er es immer wieder, den richtigen Ton zu treffen, mit dem er seine Zuhörer faszinieren konnte.
Hans Schmidt hat auf seinem Fachgebiet viel geleistet, war aber persönlich eher zurückhaltend und bescheiden. Sein Interesse galt neben dem eigenen Fach auch vielen anderen Wissenschaften wie z. B. der Archäologie und Philosophie. Nach seiner Emeritierung im Jahre 1985 widmete sich Schmidt neben der Forschung an Helligkeitssystemen verschiedener Sternkataloge auch dem Lebenswerk seiner Vorgänger. Seine Darstellung, die 1990 als Buch im Bouvier-Verlag erschien, ist eine sehr gelungene Mischung aus genauer Information über astronomische Arbeiten und Charakterbeschreibungen, bei der es Schmidt immer auch um den Menschen selber ging, über den er in seinem Buch schrieb. Die menschliche Wärme, mit der er seine Vorgänger beschrieb, hat er auch immer auf die Menschen seiner Umgebung übertragen. So werden Kolleginnen und Kollegen, die Mitarbeiter der astronomischen Institute, ihn nicht nur als Wissenschaftler und Professor, sondern immer auch als Freund in Erinnerung behalten.
*)Erschienen in: Mitteilungen der Astronomischen Gesellschaft Nr. 87 (2004), S. 11/12
Foto: Chr. Schmidt
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26. 4. 2012
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