Bonner Sommerhimmel

Nach einer langen Pechsträhne mit dem Wetter, konnten wir unseren Besuchern des Bonner Sommerhimmels nicht nur einen Vortrag, sondern endlich auch eine Beobachtung an dem Lehrteleskop des Argelander Institutes für Astronomie der Univ. Bonn anbieten. Auch wenn der Himmel nicht ganz frei von Dunst und Cirrus-Wolken war, so konnte trotz der fortgeschrittenen Abendstunden noch eine Beobachtung bei Tageslicht durchgeführt werden. Vor der Einführung und dem Vortrag konnten wir vor dem Institutsgebäude interessierten Besuchern bereits Protuberanzen im H-alpha-Licht der Sonne zeigen.

IMG_3943-Beobachtung-SommerhimmelBei der Beobachtung am Lehrteleskop war der rd. 4,5 Tage alte Mond durch den Dunst kaum zu erkennen. Am markantesten war noch der beleuchtete Rand. Die Venus war zwar „linsenförmig“, jedoch war dies nicht einfach zu erkennen, da noch 87% des Planetenscheibchens beleuchtet war. Dafür hob sich die Venus im Kontrast deutlich vom Tageshimmel ab. Als drittes Objekt konnten wir unseren Besuchern Saturn zeigen. Viele bis fast alle mussten mehrfach durch das Teleskop beobachten, bevor sich das Auge auf unendlich einstellte und mit leichtem gelblichem Schimmer der Planet mit seinen Ringen zu sehen war. Eine schöne Beobachtung, bei der wir von unseren Besuchern bereits einiges Geschick im „astronomischen“ Sehen abverlangen mussten.

Sonnenbeobachtung am Refraktorium

Was liegt an den langen Sommerabenden näher als die Beobachtung des nächstliegenden Sternes, unserer Sonne. Schon mit einfachen Hilfsmitteln lassen sich im Weißlicht Sonnenflecken beobachten. Das Wichtigste bei der Sonnenbeobachtung ist der Schutz der Augen vor Verbrennungen der Netzhaut. Deswegen nie ohne geeignete Filter die Sonne beobachten. Mit der AstroSolar Sonnenfilterfolie für die visuelle Beobachtung von Baader-Planetarium lassen sich einfache und wirksame Filter zum Schutz der Augen selber herstellen.

 

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Sonnenfilter ist nicht gleich Sonnenfilter. Für die visuelle Beobachtung sind Filter mit einer optischen Dichte von 5 erforderlich, während für die photografische Sonnenbeobachtung meist ein Filter mit der optischen Dichte von 3,5 oder 3,8 verwendet wird. Durch die logarithmische Teilung der Skala für die optische Dichte entspricht die Abstufung in etwa unserer Wahrnehmung. Es bedeutet aber auch, dass für das menschliche Auge ein deutlich höherer Schutz erforderlich ist als für Photoapparate.

Der Elefantenrüssel (IC 1396A)

In der 3. Juniwoche war es eine Nacht lang recht klar, ich wollte schon mal die Sommermilchstrasse im Nordosten fotographisch erkunden. Zur Zeit sind die Nächte sehr kurz, weiterhin ist die Luft sehr feucht und diesig. Durch diese Situation bietet sich die Schmalbandfotographie an.

Ziel ist es, ein Bicolorbild des “ Elefantenrüsselnebels “ ( IC1396A ) zu erstellen . Bis jetzt ist mir nur ein Teil des H-alpha-Kanals gelungen , durch technische Probleme konnte ich erst ab ein Uhr die erste Aufnahme starten. Um 4 Uhr war es dann bereits wieder zu hell.

Es kamen 15 einigermassen brauchbare frames à 10 Minuten zusammen, die am folgenden Tag zusammengerechnet wurden. Die Qualität ist für die magere Datenlage doch recht ansprechend , allerdings würde der gleiche zusätzliche Datensatz, die Qualität noch erhöhen. Weiterhin fehlt noch der OIII-Kanal für die Bicolorgenese.

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15 x 10 Min 4 Zoll-Apo , Atik383L+ Ha-Filter, TEC 110FL

EDIT : Mittlerweile konnten in der Nacht zum 27.6. noch die fehlenden OIII-Aufnahmen gemacht werden. Die bisherige Aufnahme (grau/Rotkanal) wurde deshalb durch das damit jetzt fertige Bicolor-Bild ersetzt.

(Gerhard Henning, 18.6.2013, Region Bonn )

Veranstaltungshinweis

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Am Montag, den 24.06.2013 (19 Uhr) wird im Rahmen der Vortragsreihe „Montags in der Sternwarte“ Wilfried Bongartz über die Beobachtungsmöglichkeiten, die es auch in den momentanen hellen Nächten noch gibt, berichten. Im Mittelpunkt des Vortrages wird die visuelle und fotografische Beobachtung von Satelliten stehen. Weitere Themen sind Mond- und Planetenbeobachtung am Taghimmel. Hinweise zur Beobachtung von Leuchtenden Nachtwolken und Meteoren werden ebenfalls gegeben. Veranstaltungsort ist das Refraktorium an der Poppelsdorfer Allee 47. Für Mitglieder der VSW Bonn ist der Eintritt frei, Gäste sind gerne gesehen (2,- Euro Eintritt).

Der Goldene Henkel

Als sich gestern Abend die sommerliche Hitze langsam verzog und wir mit einem Glas Wein und Feldstecher im Garten saßen, sprang uns am Mond förmlich der Goldene Henkel ins Auge. Etwas später holte ich dann meinen 120mm-Refraktor, um dieses schöne Schauspiel noch besser beobachten zu können.

Über eine WhatsApp-Gruppe lokaler Hobby-Astronomen fand sich schnell ein Grüppchen Interessierter zusammen, die sich kontinuierlich online über ihre Beobachtungen austauschten. Dabei kamen dann solche Bilder wie dieses zustande, das mit dem iPhone am Okular des Refraktors aufgenommen wurde und den Goldenen Henkel bereits gut erkennbar zeigte. Dies motivierte dann wieder weitere, ihr Gerät noch aufzubauen oder zum Fotoapparat zu greifen.

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Da die Luft und das Seeing recht gut waren und weder beim Mond noch bei Saturn der helle Himmel wirklich störten, konnte man hier in Bonn durchaus bis zu 300facher Vergrößerung gehen und viele spektakuläre Details am Terminator beobachten.

Zu guter Letzt habe ich dann doch noch die Spiegelreflex-Kamera geholt und den Mond auch damit abgelichtet (900mm, f/7.5, ISO 400, 1/100 sec). Die Belichtung wurde natürlich am Terminator / Goldener Henkel optimiert, so dass die Aufnahme auf den großflächigen Bereichen sehr (zu) hell ist.

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Und als Detail aus dieser Aufnahme noch einmal der Goldene Henkel, das Highlight des gestrigen Abends:

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Regenbogen, Abendrot und Alpenglühen am 13.06.2013

Nach Durchzug einer Kaltfront gab es am Abend des 13.06.2013 kurz vor und nach Sonnenuntergang in Bonn ein feuriges Himmelsschauspiel mit doppeltem Regenbogen, Zero Order-Glow, Abendrot und Alpenglühen. Sonnenuntergang war unter Berücksichtigung der Standardrefraktion um 21:45 MESZ.
Fotos auf Facebook
Video auf Youtube

[Edit: Peter Oden]

Dem kann ich mich nur anschließen! Es war ein phänomenales Schauspiel, das uns da gestern geboten wurde!!!

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Foto: Gisela Walter, iPhone

Das Zentrum der Milchstraße

Im vergangenen Sommer habe ich den Urlaub im zentralen Perigord verbracht und dabei einen der dunkelsten Himmel meines Lebens sehen dürfen. Inspiriert durch einen Artikel in der aktuellen Sky&Telescope möchte ich hier eine meiner Aufnahmen, die ich dort gemacht habe, vorstellen. Es ist unsere Milchstraße im Bereich Schütze und Skorpion. Der Kreis in der Zeichnung markiert das galaktische Zentrum, in dem sich kaum noch neue Sterne bilden. Aus diesem Grund haben Aufnahmen dieses Gebietes immer einen orangenen / rötlichen Schimmer.

Die wichtigen Messier-Objekte in diesem Gebiet sowie die Ebene der Milchstraße habe ich zur besseren Orientierung markiert. Viel Spaß beim Erkunden!

Central Milkyway

Es handelt sich um eine einzelne 60-Sekunden-Aufnahme (ISO 3.200). Aus insgesamt 300 solcher Aufnahmen (à 30 sec) habe ich dann auch noch eine Animation zusammengestellt, die die Bewegung der Milchstraße während der ganzen Nacht (5 Stunden) gut verdeutlicht. Die rötlichen Wolken gegen Morgen spiegeln das Licht des 130 km entfernten Bordeaux wieder.

 

 

Die Nacht der Satelliten in Bonn: 5 ISS-Überflüge, 3 Iridium-Flares

jedes Jahr gibt es um die Sommer-Sonnenwende einen oder zwei Zeiträume, in denen die ISS permanent im Sonnenlicht ist. Sofern sie dann bei uns über den Horizont gelangt, können nicht wie sonst 2, sondern mindestens 3 und häufig 4 Überflüge pro Nacht beobachtet werden. Sehr selten kommt es vor, dass sogar 5 Überflüge in einer Nacht sichtbar sind. In manchen Jahren passiert das gar nicht oder in 2 Nächten (dann Ende Mai und Mitte Juli), in den meisten Jahren jedoch in genau einer Nacht. Allerdings fallen der erste und der fünfte Überflug in die helle Dämmerung, was die Beobachtung erschwert. Da zudem natürlich das Wetter mitspielen muss, ist die erfolgreiche Absolvierung dieses „ISS-Marathons“ gar kein so einfaches Unterfangen. Bei meinem ersten Versuch im Jahr 2008 war nach 3 Überflügen Schluss, weil Bewölkung aufzog. Beim zweiten Anlauf am 26./27.06.2010 schien zunächst alles zu klappen, doch der 5. Überflug in der hellen Morgendämmerung fiel ganz leichtem Hochnebel zum Opfer (s. http://www.meteoros.de/php/viewtopic.php?t=8355). In der vergangenen Nacht habe ich den dritten Versuch gestartet – und der war erfolgreich. Alle 5 Überflüge wurden mit bloßem Auge beobachtet; lediglich bei der fotogtafischen Dokumentation der ersten Passage kam es zu einer Panne. Die ISS zog tief im Süden lang, und just dort hingen letzte konvektive Wolken. Als ich sie endlich sah, befand sie sich bereits außerhalb des Sichtfeldes der auf dem Stativ wartenden Kamera. Bevor ich deren Ausrichtung geändert hatte, war die ISS zunächst wieder hinter Wolken und dann hinter einem Dach verschwunden. Ich habe mir die Kamera ohne Stativ geschnappt und bin von der Terrasse zu einem nach Osten gerichteten Fenster geeilt. Es war keine Zeit mehr, die Einstellungen zu ändern, und so musste ich 1/2 Sekunde freihändig und in ziemlicher Hast belichten. Ergebnis: die ISS malt ein chinesisches Schriftzeichen an den Himmel.

Außer den 5 ISS-Überflügen gab es in dieser Nacht an meinem Standort noch 3 eher bescheidene Iridium-Flares, die ich ebenfalls abgelichtet habe, Zwischen den Überflügen 1 und 2 bzw. 4 und 5 habe ich (vergeblich) nach NLCs Ausschau gehalten, aber zumindest ein paar Stimmungsbilder der Dämmerung aufgenommen. Hier also die Ausbeute der langen Nacht der Satelliten; alle Fotos wurden in der Bonner Innnstadt mit einer Panasonic DMC-FZ18 aufgenommen. Mit Ausnahme des ersten und letzten Bildes wurde jeweils 60s bei Blende 2.8, ISO 100 und 28mm Brennweite (Kleinbild-Äquivalent) belichtet.


Abb. 1: 1. Überflug der ISS um 22:13 MESZ; Helligkeit ca. -1.7 mag, Sonnendepression 4.8°. Belichtungszeit 0.5s bei Blende 3.6, ISO 100 und 126mm Brennweite (Kleinbild-Äquivalent).


Abb. 2: 2. Überflug der ISS um 23:49 MESZ; Helligkeit ca. -3.4 mag, Sonnendepression 13.3°.


Abb. 3: Flare von Iridium 90 um 01:19:52 MESZ; Helligkeit ca. -2 mag, Sonnendepression 16.6°.


Abb. 4: Flare von Iridium 10 um 01:23:34 MESZ; Helligkeit ca. -0.5 mag, Sonnendepression 16.6°.


Abb. 5: 3. Überflug der ISS um 01:26 MESZ; Helligkeit ca. -3.1 mag, Sonnendepression 16.6°.


Abb. 6: Flare von Iridium 80 um 02:59:55 MESZ; Helligkeit ca. -0.5 mag, Sonnendepression 14.0°.


Abb. 7: Überflug der ISS um 03:03 MESZ; Helligkeit ca. -3.4 mag, Sonnendepression 13.8°.


Abb. 8: Überflug der ISS um 04:39 MESZ; Helligkeit ca. -1.8 mag, Sonnendepression 5.6°. Belichtungszeit 1s bei Blende 3.2, ISO 100 und 44mm Brennweite (Kleinbild-Äquivalent).

Zwischen den ersten beiden Überflügen war ich etwa eine Stunde lang am Rheinufer auf NLC-Jagd. Mitgebracht habe ich zwar keine Bilder Leuchtender Nachtwolken, aber eine Fotoserie der zweiten Hälfte der nautischen Dämmerung (Sonnendepression 9 bis 12 Grad), woraus ich eine Animation erstellt habe: http://www.youtube.com/watch?v=Af7CfEkO69k .

Nach dem Belegfoto des letzten Überflugs war noch Zeit, mit vollem Zoom (504mm) ein Video zu drehen, untermalt vom morgendlichen Vogelkonzert: http://www.youtube.com/watch?v=PBX_S4bYy6g .

Sommerastronomie in Bonn

Bei dem momentan ungewohnt guten Wetter habe ich in der Nacht zum 04.06. einen Überflug der ISS um 01:26 Uhr beobachten und fotografieren können. (28mm Brennweite, 60 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO100).

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Am Abend gelangen mir dann vom Rheinufer aus um 23:40 Uhr erste Aufnahmen von leuchtenden Nachtwolken in dieser Saison (der Kontrast ist zur Betonung nachträglich deutlich angehoben worden). (28mm Brennweite, 30 Sekunden bei Blende 2.8 und ISO100).

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Leuchtende Nachtwolken im Norden gesichtet

Vergangene Nacht zeigten sich die ersten Leuchtenden Nachtwolken im laufenden Jahr für den Autoren, der sich derzeit auf Helgoland aufhält. Die Erscheinung war nicht die spektakulärste (s. Fotos), dafür konnten die Leuchtenden Nachtwolken hier im Norden, wo die Dämmerung momentan kein Ende hat, über viele Stunden bewundert werden. Die Dämmerungshelligkeit, wie sie auf den Fotos zu erkennen ist, war selbst um Mitternacht (Ortszeit) unübersehbar, auch vom visuellen Eindruck her.

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