Geschichte eines Forschungsteleskops

Im Jahre 2009 erhielt die Volkssternwarte Bonn e.V. ein ehemaliges Forschungteleskop vom Argelanderinstitut für Astronomie der Universität Bonn zur weiteren Verfügung gestellt, da es an seinem letzten Standort im Institut in Bonn-Endenich durch ein neueres Teleskop ersetzt wurde.

Nachdem Bemühungen der Volkssternwarte Bonn e.V., genügend finanzielle Mittel für eine Neuaufstellung dieses Instrumentes für astronomische Beobachtungen nicht zum Erfolg führten, haben sich die Mitglieder entschlossen, dieses Teleskop in Zukunft als museales Anschauungsobjekt für die Öffentlichkeit im großen Refraktorraum an der Poppelsdorfer Allee zu präsentieren.

Das Instrument in seiner heutigen Form wurde im Jahre 1952 von dem Berliner Ingenieur Friedrich Ohlmüller unter Verwendung eines 1949 von der Universitätssternwarte Bonn aus privatem Besitz angekauften Linsenteleskopes der Firma Merz in München konfiguriert und gebaut.

Die Säule und die Montierung sowie die Optik des Leitfernrohres stammen von der Münchner Firma Merz aus dem Jahre 1929. Es handelte sich dabei um ein Linsenteleskop mit einer Öffnung von 20 cm und einer Brennweite von 2,45 m.

Hist.Aufnahme36cm-Cassegrain-Q4Der Vorbesitzer, Elektro-Ingenieur Franz Heinrich Lollert aus Fürstenfeldbruck, führte mit diesem Instrument Versuche zur Entwicklung eines Patentes zur optischen Nachrichtenübermittlung durch. Im Jahre 1949 bot er das Gerät der Universitätssternwarte Bonn zum Kauf an.

Auf Wunsch der Universitätsternwarte, die ein Instrument zur lichtelektrischen Photometrie wünschte, aber nicht die Mittel für ein vollständig neues Instrument besaß, führte Friedrich Ohlmüller auf der angekauften Säule und Montierung ein Spiegelteleskop mit 36 cm Öffnung nach Cassegrain-Bauweise mit einer Brennweite von 7 m aus und benutzte dabei die ältere Linsenoptik parallel dazu als Leitfernrohr.

Nach Ergänzung der Ausstattung mit einem von der Universitätssternwarte gebauten Einkanal-Röhren-Photometer diente es ab dem Jahre 1953 als erstes Instrument auf der neugebauten Außensternwarte der Universität Bonn, dem Hohen List bei Daun in der Eifel. Die Bonner Astronomen untersuchten damit Helligkeitsschwankungen an veränderlichen Sternen.

Im Jahre 1982 wurde es in der Kuppel des heutigen Argelanderinstitutes in Bonn-Endenich aufgestellt und ab 1987 für öffentliche Beobachtungen durch Mitglieder der Volkssternwarte Bonn genutzt.

Insgesamt wurde das Instrument dabei seit 1953 nur wenig umgebaut und befindet sich im Wesentlichen im originalen Zustand. Es wurde nur der Uhrwerkantrieb der Orginalmontierung durch einen Elektromotor ersetzt und die Photometer sowie die Registrierung der gewonnenen Daten der jeweiligen technischen Entwicklung angepasst.

altes-Teleskop-AIfA-2Somit stellt das Instrument ein einmaliges originales Schaustück für ein Forschungsinstrument aus dem Beginn der astronomischen Forschung nach dem 2. Weltkrieg in Westdeutschland dar, welches zudem mit den Anfängen der Außensternwarte Hoher List in der Eifel eng verbunden ist.

Die 20 cm- Linsenoptik von Merz soll aufgrund ihrer hohen optischen Qualität zu einem neuen Instrument aufgebaut und dann für die öffentlichen Beobachtungen an der Volkssternwarte Bonn weiter genutzt werden. Die Montierung mit Gegengewicht und der Tubus werden als Ausstellungsstück im Kuppelsaal des Refraktoriums zu besichtigen sein.


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