Kleiner Refraktorraum

Auf dem Universitätsgelände in der Poppelsdorfer Allee 47 finden sich drei historische, astronomische Gebäude.

  1. Die unter Leitung von F.W. Argelander erbaute Sternwarte wurde von 1975 bis 2016 vom Institut für Sprach-, Medien- und Musikwissenschaften genutzt und beherbegt seit kurzem Teile der Universitätsverwaltung.
  2. Den großen Refraktorraum überlässt uns die Universität als Vereinsgebäude.
  3. Der kleine Refraktorraum wurde viele Jahre als Abstellmöglichkeit genutzt. Wir konnten in 2017 den kleinen Refraktorraum seiner alten Bestimmung wieder zuführen, indem wir das Gebäude renoviert und eine Beobachtungsstation darin errichtet haben.

Plan-Pop-Allee47-3Der kleine Refraktorraum wurde das erste mal in der Vierteljahresschrift der Astronomischen Gesellschaft, Jg. 67, 1932, erwähnt:

„5. Der von der Bolivia-Station heimgekehrte Astrograph (30 cm Öffnung, 150 cm Brennweite), wurde freundlicherweise von der Firma Zeiß leihweise für einige weitere Jahre zur Verfügung gestellt. Die der Forschungsgemeinschaft gehörende Montierung des Instruments wurde von dieser ebenfalls uns überlassen. So konnte das Instrument im Sommer 1931 im Garten der Sternwarte in einem dafür errichteten kleinen massiven Steinbau mit abschiebbarem Dach aufgestellt werden. Herr Dechert hat begonnen, mit dem Instrument Aufnahmen zwecks Sternabzählungen in ausgewählten Feldern zu machen.“

(Die Quelle wurde freundlicherweise von Dr. M. Geffert, Argelander Institut für Astronomie, Univ. Bonn zur Verfügung gestellt.)

Somit wurden von diesem Gebäude aus bereits 1931 Beobachtungen durchgeführt. Eine Luftbildaufnahme aus dieser Zeit zeigt, dass bezüglich der Beobachtungsbedingungen ähnliche Voraussetzungen bestanden, auch wenn der Baumbestand nicht so dicht war wie heute.

Plan-PopAllee47-1930-2Den Luftbildern der Stadt Bonn folgend, hat sich die Bebauung nur unwesentlich geändert. Im Vergleich zur ursprünglichen Situation ist heute jedoch von einer stärkeren Lichtverschmutzung am Standort auszugehen. Wir würden es seitens der Amateurastronomie begrüßen, wenn sich allgemein die Sichtweise durchsetzt, dass sich die Einschränkung der Lichtverschmutzung einhergehend mit der Einsparungen von Stromkosten für die Stadt Bonn erreichen lässt. Bereits die Verringerung der Beleuchtung ließe Erfolge erwarten. So wie einige Verkehrsampeln nachts abgeschaltet werden, ließe sich auch die Beleuchtung in der verkehrsarmen Zeit verringern.

Hinsichtlich der astronomischen Beobachtung erstrecken sich die Einschränkungen in erster Linie auf das Gebiet der lichtschwachen „Deep-Sky-Objekte“, die an diesem Standort wohl nicht zu beobachten sind. Die Beobachtung der Körper unseres Sonnensystems und großer veränderliche Sterne sowie Spektroskopie oder ähnliche Themen, sollte an diesen Standort in jedem Fall möglich sein. Für die Öffentlichkeitsarbeit und für die Ansprüche einer schulischen Astro-AG eignet sich der Standort durch seine zentrale Lage und die gute Erreichbarkeit (Bahnhof, Busbahnhof) hervorragend.

Duch eine neue Nutzungsvereinbarung macht uns die Universität freundlicherweise den kleinen Refraktorraum zugänglich. Der Bau und Liegenschaftsbetrieb-NRW hat bereits die Arbeiten im Zusammenhang mit der allgemeinen Verkehrssicherheit durchgeführt, sodass wir zukünftig auch Besucher in dem Gebäude empfangen können. Die Renovierung, z.B. der Einbau einer neuen Tür und der Innenausbau samt Errichtung einer Säule für die Montierung der Teleskope haben wir in 2016 in Angriff genommen. Die Arbeiten konnten im Sommer 2017 rechtzeitig vor dem Tag der offenen Tür abgeschlossen werden, so dass im kommenden Winterhalbjahr erste öffentliche Beobachtungen von unserer „neuen Sternwarte“ aus möglich sind.

Zur Finanzierung der neuen Beobachtungsplattform sind wir auf Spenden angewiesen.

Bonns Oberbürgermeiseter A. Sridharan bei der feierlichen Einweihung des Kleinen Refraktorraums,
rechts im Bild unser neues Doppelteleskop (Foto: D. Fischer)

 

Sonnenbeobachtung vor dem aufgeschobenen Rolldach des Kleinen Refraktorraums

Die geöffnete Astrohütte bei Nacht, im Hintergrund der Argelanderturm (Foto: D. Fischer)

Am 22.11.2017 konnte die erste öffentliche Beobachtung in unserer neuen Sternwarte mit Besuchern des Rotary Clubs Bonn-Siegburg durchgeführt werden. Künftig lönnen die Teldeskope im kleinen Refraktorraum auch im Rahmen der montäglichen Öffnungszeiten (Treffpunkt Refraktorium) genutzt werden.

Unsere Gäste beobachten den Planeten Uranus am 150mm-Refraktor (Foto: D. Fischer).


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