Astrovorschau für Bonn (Januar/Februar 2026) von Paul Hombach

Jupiter steht am 10. Januar in Opposition und ist der Glanzpunkt am Winterhimmel. Saturn zieht sich vom Abendhimmel zurück, während Merkur sich im Februar in der Abenddämmerung zeigt. Venus und Mars stehen aus Erdsicht unbeobachtbar hinter der Sonne am Taghimmel, allerdings taucht Venus Ende Februar langsam als Abendstern auf.

Die dunkelsten Nächte des Winters liegen hinter uns, die Tageslänge legt von acht Stunden drei Minuten (8:34 Uhr bis 16:37 Uhr MEZ) an Neujahr auf 10 Stunden 53 Minuten (Sonne von 7:18 Uhr bis 18:11 Uhr über dem Bonner Horizont) zu. Am 1. Februar steht die Sonne um 12:45 Uhr MEZ 22,3 Grad hoch im Süden. Noch sind die Nächte lang genug, um das gesamte Panorama des Sternhimmels von den Herbstkonstellationen abends im Westen bis zu den sommerlichen Sternbildern morgens im Osten zu bewundern. Bis weit in den Januar hinein lässt sich abends sogar noch das Sommerdreieck mit Einbruch der Dunkelheit über dem Nordwesthorizont finden. Nach einer nächtlichen Pause wird es ab 6:00 Uhr MEZ im Nordosten wieder komplett aufgegangen sein. Der winterliche Abendhimmel bietet ebenfalls noch einen Blick auf das Herbstviereck des Pegasus, während vor allem die Wintersternbilder dominieren – mit der informellen Figur des Wintersechsecks, bestehend aus Rigel im Orion, Aldebaran im Stier, Kapella im Fuhrmann, Pollux in den Zwillingen, Prokyon im Kleinen und Sirius im Großen Hund. Dieses Ensemble, verstärkt durch den hellen Jupiter in den Zwillingen, steht Mitte Januar um zirka 22:30 Uhr, Mitte Februar gegen 20:30 Uhr MEZ mittig im Süden. Schon in den späten Abendstunden betritt mit dem Löwen ein klassisches Frühlingssternbild die Himmelsbühne und der Große Bär ist im Nordosten auf dem Sprung in große Höhen. Gegen Ende der Nacht prangt das aus Regulus im Löwen, Spica in der Jungfrau und Arktur im Bärenhüter bestehende Großmuster des Frühlingsdreiecks im Süden, untrügliche Vorboten milderer Zeiten.

Der Bonner Nachthimmel am 1. Februar 2025 um 20:00 Uhr MEZ präsentiert sich zweigeteilt. Im hohen Süden bis in den Westen sind noch die Bilder des Herbsthimmels rund um Perseus und Pegasus zu sehen. Die blassen Fische erhalten Verstärkung durch Saturn. Im Südosten schicken sich die Wintersternbilder rund um den markanten Orion an, den Meridian zu erreichen. Während der helle Jupiter kurz nach seiner Opposition in den Zwillingen strahlt, leuchtet der Vollmond im Krebs. Im Osten geht der Löwe auf. Grafik erstellt mit Stellarium

Merkur zeigt im Februar eine passable Abendsichtbarkeit, obwohl der maximale Sonnenabstand des flinken Gesellen mit nur 18 Grad am 19. Februar besonders knauserig ausfällt. Das Beobachten von Merkur kann etwa ab dem 8. Februar einige Minuten nach 18 Uhr mit dem Fernglas versucht werden. Er hat zwar erst dreizehn Grad Sonnendistanz, steht aber steil oberhalb der Sonne und ist nur wenig schwächer als Sirius. Die besten Aussichten, den innersten Planeten mit bloßem Auge über dem westlichen Bonner Horizont zu erspähen, bestehen zwischen dem 13. und 20. Februar, jeweils gegen 18:30 Uhr MEZ für einige Minuten. Am Abend des 18. Februar schaut die superschmale neue Mondsichel vorbei. Sie steht zwischen Merkur und Venus, die noch knapper über dem Horizont steht. Venus befindet sich am 6. Januar nämlich in oberer Konjunktion mit der Sonne und ist somit den Blicken entzogen. Erst ab Mitte Februar kehrt sie langsam an den Abendhimmel zurück. Wenn Venus am 26/27. Februar südöstlich an Merkur vorbei zieht, ist dieser bereits nur noch mühsam mit dem Fernglas zu finden und beendet sein Abendgastspiel, das für Venus dann erst richtig beginnen wird.

Begegnung in der Abenddämmerung: Am Abend des 18. Februar steht die neue Mondsichel (hier 2x vergrößert) zwischen der horizontnahen Venus und Merkur. Einen Abend später wird die Mondsichel zwischen Merkur und Saturn stehen. Blick nach Westen um 18:30 Uhr MEZ. Grafik erstellt mit Stellarium

Mars hat lange Wochen und sogar Monate der Nichtsichtbarkeit hinter sich, wenn er endlich am 9. Januar von der Sonne eingeholt wird. Nach dieser Konjunktion wird es weitere Monate bis zum Sommer dauern, bevor er wieder am Morgenhimmel auftaucht. 2026 ist nicht wirklich ein Mars-Jahr! Jupiter ist der unbestrittene Star des Nachthimmels. Am 10. Januar steht er in Opposition zur Sonne und verbringt dank seiner nördlichen Position im Sternbild Zwillinge 16 Stunden und fünf Minuten über dem Bonner Horizont. Zahlreich sind die Ereignisse, an denen seine vier hellsten Monde beteiligt sind – Schattenwürfe, Durchgänge, Bedeckungen, Verfinsterungen. Am Abend des 7. und 9. Januar bedeckt Io zum Beispiel während ihres Transits den eigenen Schatten. Die Monde kommen sich auch untereinander perspektivisch näher – im zweiten Halbjahr 2026 wird es zu einer Serie gegenseitiger Bedeckungen und Verfinsterungen der Monde kommen, da wir dann senkrecht auf den Jupiteräquator schauen.

Saturn zieht sich langsam vom Abendhimmel zurück und rutscht in diesen Wochen allabendlich ein wenig tiefer zum Horizont, wenn er in der Abenddämmerung erscheint. Bevor er unsichtbar wird – am 25. März wird er in Konjunktion mit der Sonne stehen – kommt es zwischen dem 15. und 20. Februar zur dritten und vorerst letzten Begegnung mit Neptun im Rahmen einer seltenen Dreifachkonjunktion. Saturn zieht rund ein Grad südöstlich des blassen Neptun vorbei. Das Ereignis ist schwierig und nur mit ausreichend lichtstarker Optik zu verfolgen. An den Abenden des 9. und 25. Januar wird noch einmal der Saturnmond Titan vor seinem Mutterplaneten her ziehen, was nur teleskopisch und mit höheren Vergrößerungen bei guten Sichtbedingungen zu erspähen sein wird. Uranus schließlich ist weiterhin nur rund fünf Grad südlich der Plejaden mit jedem Fernglas einfach zu finden. Er bewegt sich noch bis zum 4. Februar ein Stückchen nach Westen („nach rechts“) von den etwa gleich hellen Sternen 14 und 13 Tauri weg, danach wieder auf sie zu, weswegen man die Bewegung des eigentlich langsamen Planeten in diesen Wochen ganz gut verfolgen kann.

Durchgang Titans vor Saturn am Abend des 9. Januar. Um 18:10 Uhr MEZ ist Titan gerade fast vollständig vor Saturn eingetreten, der zu diesem Zeitpunkt noch 24 Grad hoch im Südsüdwesten steht. Der Transit am 25. Januar ist schwieriger zu sehen, da dann Saturn schon tiefer steht. Damit endet die Transit-Serie Titans – bis zur nächsten Ringkanten-Saison Saturns 2038/39. Grafik erstellt mit WinJUPOS

Der Vollmond am 3. Januar steht noch einmal sehr hoch am Nachthimmel, schließlich liegt die große Mondwende (Extrempositionen des Mondes) erst knapp ein Jahr zurück. Ein weiterer Vollmond fällt auf den 1. Februar. Neumonde stehen für den 18. Januar und 17. Februar im Kalender. Jeweils am 20. Januar sowie am 18. Februar (siehe oben) besteht die Chance, sehr schmale zunehmende Mondsicheln in der Abenddämmerung über dem Südwesthorizont zu finden. Am späten Abend des 27. Januar wird der Mond noch einmal vor einigen Plejadensternen her ziehen.

Für das neue Jahr 2026 (ein gerades ohne Schalttag) wünschen Paul Hombach als Verfasser und die Volkssternwarte Bonn allen Leserinnen und Lesern Glück, Gesundheit und viel Freude mit der Astronomie!


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