Astrovorschau für Bonn (März/April 2026) von Paul Hombach

Venus baut ihre Rolle als Abendstern aus. Jupiter bleibt ein strahlendes Objekt am Abendhimmel. Merkur, Mars und Saturn sind den Blicken entzogen.

Am 20. März ist kalendarischer Frühlingsanfang, die Tag- und Nachtgleiche tritt ein, wenngleich unter Berücksichtigung des Sonnendurchmessers und der Wirkung der Erdatmosphäre der Gleichstand zwischen Sonne über und unter dem Horizont bereits am 17. März eintritt, dem »Equilux-Tag«. Die Umstellung auf Sommerzeit, bei der die Uhren um eine Stunde auf MESZ vorgestellt werden, erfolgt am Sonntag, den 29. März. Als Folge der immer heller werdenden Abende tritt der Wintersternhimmel seinen Rückzug an.

Zunächst gibt sich der Abendhimmel im März noch winterlich. Das Wintersechseck, bestehend aus Rigel im Orion, Aldebaran im Stier, Kapella im Fuhrmann, Pollux in den Zwillingen (die Besuch durch den hellen Jupiter haben), Prokyon im Kleinen und Sirius im Großen Hund stehen Anfang März um 20:00 Uhr MEZ im Süden, Anfang April sind sie um 21:00 Uhr MESZ nach Südwesten gerückt. Ende April sind nur noch die nördlichen Wintersternbilder Fuhrmann, Zwillinge und sogar noch der Kleine Hund abends im Westen zu finden. Charakteristisches Sternbild für den jetzt den Abendanblick übernehmenden Frühlingshimmel ist das Bonner Wappentier, der Löwe. Der steht Mitte März gegen 23:00 Uhr MEZ, und Mitte April 22:00 Uhr MESZ hoch im Süden. Regulus im Löwen, Arktur im Bärenhüter und Spica in der Jungfrau bilden das sogenannte Frühlingsdreieck. Zwischen Löwe und Zwillinge, sozusagen an der Nahtstelle zwischen Winter und Frühling, beherbergt das unscheinbare Sternbild Krebs in seiner Mitte mit M44 einen im Fernglas sehenswerten offenen Sternhaufen. Unterhalb des Krebses ist der wenig auffällige Kopf der Wasserschlange, die sich von dort in südöstlicher Richtung unterhalb des Löwen entlang windet. Der auffälligste Stern dort ist mit einer Helligkeit von zwei Größenklassen Alphard (α Hya), der rund 23 Grad (entspricht etwas mehr als der gespreizten Hand mit ausgestrecktem Arm) unterhalb von Regulus jetzt gut zu finden ist. Derweil nähert sich der »Große Wagen«, Teil des Sternbildes Großer Bär (bzw. Bärin), dem Zenit.

Der Bonner Nachthimmel am 1. April 2026 um kurz nach 21 Uhr Sommerzeit zeigt sich zweigeteilt: Im Südwesten stehen die Wintersternbilder rund um den Orion, die östliche Hemisphäre wird von den Frühlingssternbildern mit dem Löwen dominiert. Venus steht als Abendstern knapp über dem Westhorizont, während Jupiter noch hoch in den Zwillingen leuchtet. Grafik erstellt mit Stellarium

Merkur bleibt für Beobachter in mittleren und nördlichen Breiten unsichtbar. Trotz großen Winkelabstandes ist die Lage der Ekliptik am Morgenhimmel ungünstig. Deshalb bleibt auch die ungewöhnliche Gruppierung mit Mars und Saturn am 20. April, bei der die drei Planeten in einem Kreis von weniger als zwei Grad Durchmesser stehen (kurioserweise in der Nordwestecke des Sternbilds Walfisch, das an die Ekliptik grenzt), Beobachtern in Äquatornähe oder auf der Südhalbkugel vorbehalten. Venus baut ihre Rolle als Abendstern kräftig aus. Während sie am 1. März nur gut eine Stunde nach der Sonne hinter dem Horizont verschwindet, geht sie Ende April für Bonn erst um 23:28 Uhr MESZ unter, über zweieinhalb Stunden nach der Sonne. Sie steht dann zwischen Plejaden und Hyaden im Sternbild Stier, im sogenannten »goldenen Tor der Ekliptik«. Am 23. April überholt der Abendstern Uranus, der sich zu dieser Zeit vom Abendhimmel verabschiedet, wo er zuvor wenige Grad unterhalb der Plejaden noch ein leichtes Objekt für das Fernglas war. Die Bewegung des Uranus, so beschaulich sie sein mag, ist anhand der Sterne 13 und 14 Tau (mit denen er am 20. März ein Dreieck bildet) schön zu verfolgen.

Begegnung in der Abenddämmerung: Am Abend des 23. April (hier um 21:20 MESZ) ist die helle Venus weniger als ein Grad westlich des ungleich schwächeren Uranus zu sehen, beide stehen wiederum in der Nähe der Plejaden. Für Uranus ist ein Fernglas erforderlich. Grafik erstellt mit Stellarium

Mars kehrt nach seiner Konjunktion mit der Sonne im Januar noch nicht wieder auf die Himmelsbühne zurück. Jupiter ist weiter auffälliger Glanzpunkt am Abendhimmel. Am 1. April steht er um 20:00 Uhr MESZ (praktisch bei Sonnenuntergang) im Meridian. Selbst Ende April geht er erst nach zwei Uhr nachts unter. Seine nördliche Stellung in den Zwillingen hält ihn bis weit ins Frühjahr hinein beobachtungstechnisch im Rennen. Zu den Schmankerln für Teleskopbeobachter gehören die Durchgänge und Schattenwürfe seiner hellsten Monde. Herausragend sind hier die jeweils dreifachen Ereignisse an den Abenden des 17. und 26. März zu nennen, die sich übrigens schön mit dem kostenfreien Programm WinJUPOS darstellen lassen. Saturn steht am 25. März in Konjunktion und ist unbeobachtbar, gleiches gilt für Neptun (Konjunktion 22. März). Bei Saturn kann man mit einem guten Fernglas noch versuchen, die Begegnung mit der hellen Venus am Abend des 8. März zu verfolgen, der bleiche Ringplanet steht nur ein Grad südöstlich.

Der zunehmende Mond bei Jupiter, Kastor und Pollux am Abend des 26. März, hier um 20:20 Uhr MEZ. Einen ähnlichen Mondbesuch in den Zwilingen gibt es am Abend des 22. April.

Vollmond ist am 3. März, Neumond am 19. Schon am 20. taucht die schmale Mondsichel wieder in der Abenddämmerung oberhalb der Venus auf. Am 26. ist der Mond zwischen Jupiter sowie Kastor und Pollux in den Zwillingen zu finden. Der erste Frühlingsvollmond ist am 2. April zu sehen, der folgende 5. April ist Ostersonntag. Nach dem Neumond am 17. April begegnet die Mondsichel am Abend des 19. April einmal mehr den Plejaden. Am 22. April stehen wieder Jupiter, Kastor und Pollux auf dem lunaren Besuchsprogramm.

Viel Spaß beim Beobachten!


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