Astrovorschau für Bonn (Mai/Juni 2026) von Paul Hombach

Am 21. Juni ist kalendarischer Sommeranfang. Venus als Abendstern erreicht das Maximum ihrer diesjährigen Sichtbarkeit und zeigt mit Jupiter im Juni einen spannenden Planetentanz. Merkur hat eine günstige Abendsichtbarkeit, Saturn taucht wieder am Morgenhimmel auf. Einzig Mars hält sich noch verborgen. Der Juni-Vollmond fällt noch einmal sehr südlich aus.

Mit dem 21. Juni, dem Tag der Sommersonnenwende, ist das Maximum der Tageslänge erreicht. Die Sonne scheint dann von 5:18 bis 21:48 Uhr MESZ am Bonner Himmel. Am 27. Mai steht die Sonne um 1:29 Uhr MESZ mit ihrem geometrischen Mittelpunkt noch einmal 18 Grad unter dem Nordhorizont, das Kriterium der astronomischen Dämmerung wird danach bis zum 17. Juli nicht mehr erreicht. Diese Zeit sommerlich aufgehellter Nächte ist zugleich Saison, um nach leuchtenden Nachtwolken Ausschau zu halten – perlmuttfarbene oder bläuliche, oft wellenförmige dünne Wolken in meist nördlicher Richtung, die in rund 85 km Höhe noch vom Sonnenlicht getroffen werden.

Die Wintersternbilder haben sich bis auf nördlichere Konstellationen wie Zwillinge und Fuhrmann zurückgezogen, und der Frühlingshimmel dominiert den Anblick des abendlichen Himmels. Zur Mitte des Vorhersagezeitraums, am 1. Juni, muss bis um 23:00 Uhr MESZ gewartet werden, bis die Sternbilder erkennbar sind. Dann ist das klassische Frühlingssternbild des Löwen schon nach Westen gerückt. Im Süden strahlt der orangefarbene Arktur im Bärenhüter hoch am Himmel, der solchermaßen bewachte Große Bär (bzw. die Bärin) mit dem bekannten Wagen, befindet sich nahe des Zenits. Dem Bogen der Deichsel über Arktur hinaus folgend gelangt man zu Spica im Sternbild Jungfrau. Im Osten zieht der Sommer auf: Mit Wega, Deneb und Atair in den Sternbildern Leier, Schwan und Adler ist das Sommerdreieck im Nordosten und Osten vertreten – es wird erst in der Morgendämmerung der kurzen Nacht seinen Höchststand erreichen. Im Südosten lockt der Schlangenträger, einmal seine zahlreichen Kugelsternhaufen zu erforschen. Kurz nach 1:00 Uhr MESZ in der Nacht nähert sich Antares im Skorpion dem Meridian.

Blick an den Bonner Nachthimmel am 1. Juni um 23:00 Uhr MESZ. Venus und Jupiter stehen mit den untergehenden Zwillingen im Westnordwesten, selbst Merkur ist noch zu sehen. Der helle Arktur im Bärenhüter kulminiert im Süden, den Südosten nehmen Herkules und der Schlangenträger ein, im Osten ist das Sommerdreieck aufgegangen. Grafik erstellt mit Stellarium

Merkur zeigt ab Ende Mai bis Mitte Juni eine vergleichsweise gute Abendsichtbarkeit. Die beste Zeit für freisichtige Beobachtungen des Planeten, der an der Grenze der Sternbilder Stier und Zwillinge weit nördlich steht, ist in den ersten Junitagen. Dann ist die Kombination aus Winkelabstand zur Sonne und Helligkeit des Planeten günstig, die beste Beobachtungszeit für Bonn ist dann ungefähr 22:30 Uhr MESZ, Blick in Richtung Nordwesten.

Venus ist als Abendstern unübersehbar. Mitte Mai erreicht sie den Höhepunkt ihrer diesjährigen Abendsichtbarkeit, obwohl ihr größter Sonnenabstand in den August und ihre größte Helligkeit in den September fällt. Dann aber wird Venus deutlich südlicher als die Sonne nur noch flach in der Abenddämmerung stehen. Jetzt ab der Maimitte und bis Anfang Juni geht der Abendstern in MESZ gerechnet für Bonn sogar erst nach Mitternacht unter! Ein Highlight ist die Begegnung mit Jupiter am 9. und 10. Juni, wenn beide Planeten nahe beieinander im Westnordwesten in der Abenddämmerung leuchten. Während Jupiter Anfang Mai mit Einbruch der Dunkelheit noch recht hoch im Westen steht, tauscht er nun mit Abendstern Venus die Plätze, was in den Tagen vor und nach dem 9. Juni schön zu verfolgen ist. Am 16. und 17. Juni schaut dazu die neue Mondsichel bei der Dreierkette Merkur – Jupiter – Venus vorbei. Für Jupiter geht danach die Sichtbarkeit zu Ende.

Planetentreffen in den Zwillingen: Venus nahe Jupiter, dazu Merkur in der Abenddämmerung des 9. Juni 2026. Blick nach Westnordwesten um 23:00 Uhr MESZ. Grafik erstellt mit Stellarium

Mars kann sich auch vier bis fünf Monate nach seiner Konjunktion mit der Sonne noch nicht wieder am Morgenhimmel zeigen. Saturn hingegen kehrt ab Ende Mai langsam wieder an den Morgenhimmel zurück. Bis Mitte Juni hat sich der Planet in den Fischen mit den inzwischen wieder deutlich geöffneten Ringen soweit abgesetzt, dass er gegen 4:00 Uhr MESZ in der Bonner Morgendämmerung über dem Osthorizont gefunden werden kann. Auf Uranus (er steht im Mai in Konjunktion mit der Sonne) und Neptun (dto. Ende März) muss vorerst noch verzichtet werden.

Der Mond gelangt im Vorhersagezeitraum gleich dreimal in Vollmondstellung. Der erste Vollmond steht für den 1. Mai im Kalender, der zweite – sozusagen ein Blue Moon – fällt auf den 31. Mai. Neumond ist am 16. Mai und 15. Juni. Ein dritter Vollmond ist für den 30. Juni zu vermelden. Er ist der südlichste des Jahres (und südlichste Vollmond bis Juli 2042) – die sogenannte große Mondwende von 2025 mit ihren extremen Mondpositionen wirkt noch nach.

Tief im Schützen kulminiert der Vollmond am 30. Juni um 1:36 Uhr MESZ in nur elf Grad Höhe! Grafik erstellt mit Stellarium

Paul Hombach als Verfasser und die Volkssternwarte Bonn wünschen allen Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Beobachten!


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