Astrovorschau für Bonn (November/Dezember 2026) von Paul Hombach

Venus taucht am Morgenhimmel auf, wo sich vorübergehend auch Merkur zeigt. Mars und Jupiter sind in der zweiten Nachthälfte zu sehen, Saturn bleibt dem Abendhimmel erhalten. Am 21. Dezember ist Wintersonnenwende.

Die Sonne steht am 21. Dezember um 21:50 Uhr MEZ am südlichsten Punkt ihrer jährlichen Bahn – die Wintersonnenwende markiert den kalendarischen Winteranfang. Schon im November sind die Tage kurz: Am 1. November scheint die Sonne von 7:23 Uhr bis 17:07 Uhr MEZ vom Bonner Himmel – ein Wert, der sich bis zum 21. Dezember noch etwas verringert (8:31 Uhr bis 16:28 Uhr MEZ). Zur Wintersonnenwende steht das Tagesgestirn um 12:30 Uhr MEZ nur maximal 15 Grad und 53 Bogenminuten über dem Bonner Südhorizont. Maximal lange Nächte sorgen für die Sichtbarkeit eines Großteils des Sternhimmels, von den Überbleibseln des Sommerhimmels abends im Westen bis zu den Frühlingssternbildern am östlichen Morgenhimmel.

Die frühe Dunkelheit hält noch das Sommerdreieck aus Wega, Deneb und Atair im Rennen, selbst am Jahresende sind die dazugehörigen Sternbilder Leier, Schwan und Adler bei Dämmerungsende noch im Westen auszumachen. Im Süden allerdings prägt der Herbsthimmel das Bild. Dort findet sich sozusagen zur Prime Time das Pferd Pegasus, bekannt als Herbstviereck. In seinem Gefolge weiter östlich und nördlich schließt sich der weitere Sagenreigen rund um Andromeda und ihrem Retter Perseus an. Das königliche Elternpaar Kassiopeia und Kepheus zieht in den Abendstunden nahe des Zenits seine Bahn. Das von Perseus zu überwindende Meeresungeheuer Cetus (Walfisch) im Südosten hat in diesem Jahr prominente Verstärkung: Der Ringplanet Saturn steht in der Nordostecke des ebenso großflächigen wie unauffälligen Sternbildes. Beim Blick nach Nordosten wird es im Laufe des Abends immer winterlicher. Früh zeigt sich der Fuhrmann, bald gefolgt vom Stier, den Zwillingen und schließlich Orion. Der komplette Winterhimmel mit dem Wintersechseck, bestehend aus Pollux in den Zwillingen, Capella im Fuhrmann, Aldebaran im Stier, Rigel im Orion, Sirius im Großen und Prokyon Kleinen Hund wird Anfang Dezember allerdings erst nach Mitternacht seinen Höchststand im Süden erreichen. In der zweiten Nachthälfte zieht von Osten her der Frühling herauf. Dessen Leitsternbild, der Löwe, ist momentan Aufenthaltsort der Planeten Mars und Jupiter, die sich nahe seines hellsten Sterns Regulus gruppieren.

Der Anblick des Bonner Nachthimmels am 1. Dezember um 20:00 Uhr MEZ. Im Westen Sommer, im Süden Herbst, im Osten Winter, so könnte das Motto dieses Anblicks lauten: Vom Sommerdreieck im Westen über das Herbstviereck im Süden bis zum im Osten aufgehenden Orion reicht das Panorama. Unterhalb der Fische leuchtet Saturn im Süden. Grafik erstellt mit Stellarium

Merkur zeigt sich in der zweiten Novemberhälfte am Morgenhimmel, es ist die günstigste Morgensichtbarkeit des Jahres. Am 21. November, dem Tag seines größten Sonnenabstandes, geht der innerste Planet für Bonn um 6:00 Uhr MEZ und somit fast zwei Stunden vor der Sonne auf. Gegen 7:00 Uhr MEZ sollte er leicht über einem freien Südosthorizont (auch mit bloßem Auge) zu finden sein.

Venus taucht nach ihrer unteren Konjunktion mit der Sonne am 24. Oktober in den ersten Novembertagen bereits wieder als Morgenstern auf – ein Rolle, die sie bis über das Jahresende hinaus spielen wird. Frühes Wiederfinden der Venus lohnt sich: Bis zum 6. November beträgt die Phase der Venus weniger als 1%, schon ein Fernglas kann die ultrafeine Venussichel zeigen. Am 7. November bekommt Venus Besuch von der schmalen abnehmenden Mondsichel, am 15. November passiert sie Spica im Sternbild Jungfrau. In der zweiten Novemberhälfte kann sie als Aufsuchhilfe für Merkur dienen, der rund 15 Grad südöstlich näher am Horizont steht. Ende November erreicht Venus den sogenannten größten Glanz während ihrer Morgensichtbarkeit, bis Jahresende bringt sie es fast auf den maximalen Winkelabstand zur Sonne. Venus ist das dominierende Gestirn am Morgenhimmel!

Schöner Planetenreigen im November am Morgenhimmel: Mars und Jupiter stehen nahe beieinander im Löwen, Venus strahlt als Morgenstern bei Spica, im Südosten ist Merkur zu sehen. Himmelsanblick am 19. November 2027 um 7:00 Uhr MEZ. Grafik erstellt mit Stellarium

Mars kann seine Sichtbarkeit in der zweiten Nachthälfte deutlich ausbauen, gleiches gilt für Jupiter. Beide Planeten stehen im Löwen. Am 15. und 16. November zieht Mars nur zwei Monddurchmesser nördlich am helleren Jupiter vorbei. Am 30. November ergibt sich ein hübscher Himmelsanblick mit einem Dreieck aus Mars, Regulus und Jupiter plus abnehmendem Mond. Wenn am 28. Dezember der Mond erneut am Löwenstern Regulus vorbei zieht, ist die Konstellation im Vergleich dazu etwas auseinander gezogen. Zu Jupiter ist noch für Teleskopbeobachter anzumerken, dass die Saison der gegenseitigen Jupitermondereignisse in vollem Gange ist, derartige Ereignisse sind u.a. im Himmelskalender der VdS erwähnt. Besonders sehenswert bei höherer Vergrößerung ist eine komplexe Folge von Durchgängen und Schattenwürfen von dreien der vier galileischen Monde am Abend des 11. Dezember.

Komplexes Schauspiel der Jupitermonde am Abend des 11. Dezember. Um 23:37 Uhr MEZ sind drei Monde vor und ein Schatten auf Jupiter zu sehen, einige Minuten zuvor sind es zwei Monde und zwei Schatten. Zur Beobachtung ist wenigstens ein mittelgroßes Teleskop mit ausreichend hoher Vergrößerung nötig. Grafik erstellt mit WinJUPOS

Saturn stand im Oktober in Opposition und ist am Abendhimmel zu beobachten. Er steht in der Nordostecke des Walfisches – das Sternbild grenzt an die Ekliptik. Die Ringe sind im Teleskop noch vergleichsweise schmal, tragen aber schon wieder ordentlich zur Gesamthelligkeit des Planeten bei. Wenn Saturn am 12. Dezember seine Bewegungsrichtung wieder umkehrt und rechtläufig wird, ist er noch einmal bis auf sechs Grad an den blassen Neptun heran gerückt. Dieser Wert wird erst im Jahr 2060 wieder unterboten. Uranus im Sternbild Stier steht am 26. November in Opposition zu Sonne und ist theoretisch mit einer Helligkeit von 5,6 Größenklassen in Reichweite für das bloße Auge. Er steht im sogenannten »Goldenen Tor der Ekliptik« zwischen Plejaden und Hyaden, übrigens etwa dort, wo ihn der Astronom John Flamsteed im Jahr 1690, und damit Jahrzehnte vor Herschels Entdeckung, als vermeintlichen Stern 34 Tau in seinen Sternkatalog eintrug.

Am 9. November ist Neumond. Der Vollmond am 24. November steht morgens in der Nähe der Plejaden. Nach dem Neumond am 9. Dezember ist die nächste Begegnung mit den Plejaden am späteren Abend des 21. Dezember sogar mit der Bedeckung einiger Sterne dieses offenen Sternhaufens verbunden. Der Vollmond des 24. Dezember ist der größte und nördlichste des Jahres, so hoch am Himmel wird er als »Supermond« wohl nicht als ungewöhnlich groß empfunden.

Paul Hombach als Verfasser und die Volkssternwarte Bonn wünschen allen Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Beobachten und eine schöne Weihnachtszeit!


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