Astrovorschau für Bonn (Juli/August 2026) von Paul Hombach

Unbestrittenes Highlight ist die Sonnenfinsternis am 12. August, die für Bonn 88% Bedeckung bringt. In den frühen Morgenstunden des 28. August ist eine partielle Mondfinsternis zu sehen. Venus ist immer ungünstiger am Abendhimmel zu beobachten. Saturn zeigt sich in der zweiten Nachthälfte, Mars am Morgenhimmel. Dort ist im August auch Merkur zu entdecken, gemeinsam mit Jupiter, der an den Morgenhimmel zurück kehrt.

Die Sonne ist in den Sommermonaten Juli und August bereits wieder in Richtung kürzerer Tage unterwegs. Während die Sonne am 1. Juli von 5:23 Uhr bis 21:48 Uhr MESZ über dem Bonner Horizont steht, bescheint sie am 31. August von 6:44 Uhr bis 20:19 Uhr MESZ Bonn und seine Brücken (bzw. das, was davon übrig ist). Am 17. Juli endet die Zeit der Mitternachtsdämmerung, es wird nachts wieder (anfangs nur kurz) astronomisch dunkel. Im Juli kann weiterhin mit leuchtenden Nachtwolken gerechnet werden.

Zur Mitte des Vorhersagezeitraums, am 1. August, zeigen sich die Sternbilder kurz vor Ende der nautischen Dämmerung ab 22:45 Uhr MESZ bei ausreichender Dunkelheit. Im Westsüdwesten ist mit Arktur im Bärenhüter noch ein Stern des Frühlings erkennbar, durch die immer früher einsetzende Dunkelheit wird er dem Beobachter dort noch eine Weile erhalten bleiben. Herkules, Schlangenträger (Ophiuchus) und Skorpion sind aus dem Meridian nach Südsüdwesten gerückt, den Süden nimmt das Sommerdreieck mit Wega, Deneb und Atair in den Sternbildern Leier, Schwan und Adler ein. Im Osten zieht mit dem Pegasus-Quadrat der Herbst auf. Erst gegen 4:00 Uhr MESZ wird dieses Sternbild im Süden stehen. Dann sind auch die Fische (mit Saturn) und sogar der winterliche Stier (mit Mars) gut im Südosten bzw. Osten zu sehen. Bis die Szenerie der kurzen Sommernacht gegen 5:00 Uhr MESZ verblasst, reckt sich bereits im Osten der obere Teil des Orion empor. Jeder Hitzewelle folgt unweigerlich ein Winter.

Blick an den Bonner Nachthimmel am 1. August um 22:45 Uhr MESZ. Im Nordwesten befindet sich der Große Wagen (Ursa Major) im Abstieg, der Bärenhüter steht im Südwesten. Den Süden dominiert das Sommerdreieck, den Osten zieren die ersten Herbststernbilder. Der zu 90% beleuchtete Mond ist mit dem Sternbild Wassermann aufgegangen und erhellt die Szenerie. Grafik erstellt mit Stellarium

Merkur bietet ab dem Monatswechsel Juli/August eine kleine Morgensichtbarkeit. Am 31. Juli steht er zu Beginn der bürgerlichen Dämmerung kurz nach 5 Uhr Sommerzeit rund fünf Grad hoch über dem Ostnordosthorizont. Schon am 2. August erreicht er seinen (eher bescheidenen) maximalen Sonnenanstand, der innerste Planet steigert aber seine Helligkeit, so dass die besten Beobachtungsaussichten zwischen dem 7. und 15. August bestehen. Dieser 15. August hat eine Besonderheit zu bieten: Jupiter taucht nach seiner Konjunktion mit der Sonne (diese trat am 29. Juli ein) wieder am Morgenhimmel auf und steht an diesem Morgen nur anderthalb Monddurchmesser senkrecht unter Merkur am Himmel, allerdings tief über dem Horizont in der schon fortgeschrittenen Dämmerung. Merkurs Sichtbarkeit endet, während Jupiter von Tag zu Tag besser am Morgenhimmel zu sehen sein wird. Ebenfalls Objekte des Morgenhimmels bzw. fast schon der zweiten Nachthälfte sind Saturn und Mars. Der Ringplanet mit inzwischen wieder neun Grad zur Erde geneigten Ringen geht Mitte Juli fast 40 Minuten nach Mitternacht auf, einen Monat später schon um 22:32 Uhr MESZ. Mars kann seine Aufgangszeiten im gleichen Zeitraum von 2:37 Uhr auf 1:54 Uhr MESZ vorverlegen. Als Besonderheit sei erwähnt, dass Mars am Morgen des 4. Juli nah (d.h. nur ein Drittel Monddurchmesser westlich) bei Uranus steht, eine ideale Gelegenheit, den deutlich schwächeren Planeten links neben Mars mit dem Fernglas zu erspähen.

Das Planetenpaar Merkur und Jupiter am Morgen des 15. August 2026 am Horizont in der Morgendämmerung. Blick nach Ostnordosten um 5:30 Uhr MESZ. Grafik erstellt mit Stellarium

Planetenarm hingegen präsentiert sich der Abendhimmel. Venus wird zwar dort als Abendstern noch etwas heller und vergrößert sogar den Sonnenabstand, doch es nützt nichts: Sie steht immer südlicher als die Sonne am Himmel und verkürzt ihre Abendsichtbarkeit. Anfang Juli geht sie noch zwei Stunden nach der Sonne unter. Ende August geht der Abendstern um 21:15 Uhr MESZ hinter dem Bonner Westsüdwesthorizont unter – nur rund eine Stunde nach Sonnenuntergang.

Ende Juni erreichte der Mond eine extrem südliche Vollmondposition. Am 14. Juli ist Neumond, gefolgt von einem Vollmond am 29. Juli. Der Neumond des 12. August 2026 bringt die lange erwartete Sonnenfinsternis, die in Teilen Grönlands, Islands und Spaniens total, im deutschen Sprachraum immerhin hochgradig partiell ist. Für Bonn beginnt die partielle Verfinsterung um 19:19 Uhr MESZ in 14 Grad Höhe, um 20:13 Uhr MESZ ist das Maximum mit einer Bedeckung (bezogen auf die Sonnenfläche) von 88% erreicht. Leider steht die Sonne dann nur noch sechs Grad hoch. Am Tag vorher sollte man sich um einen Standort bemühen, an dem zu vergleichbarer Zeit die Sonne überhaupt noch sichtbar ist. Innerhalb weniger Minuten schwenkt die Sonnensichel regelrecht um, was natürlich (wie bei jeder Sonnenbeobachtung) nur mit den üblichen Sicherheitsvorkehrungen zu beobachten ist. Zur Vermeidung von Augenschäden sind visuell sog. SoFi-Brillen (Fachhandel) zu verwenden bzw. vor den Objektiven von Ferngläsern, Teleskopen etc. geeignete Filter anzubringen. Alternativ kann man die Projektionsmethode verwenden. Wie solche Methoden anzuwenden sind, hat der Astronomiejournalist Daniel Fischer 2016 anlässlich des Merkurdurchgangs vor der Sonne beschrieben. Auch da stand die zu beobachtende Sonne z.T. recht tief, was zu besonderen Überlegungen führt. Je nach Wettersituation kann die Sonne am Horizont so stark gedämpft sein, dass man sie „einfach so“ betrachten kann, doch Vorsicht: Bitte achten Sie eigenverantwortlich auf Ihr Augenlicht und gucken nicht ungeschützt hin, wenn es auch nur ansatzweise zu grell ist! Das Ende der Finsternis (21:04 Uhr MESZ) ist unbeobachtbar, da die Sonne bereits um 20:58 Uhr MESZ untergeht.

Die genauen Zeiten für andere Standorte lassen sich mit dieser interaktiven Google-Karte einfach ermitteln. Es werden auch Live-Streams der Finsternis angeboten, diese werden hier verlinkt. A propos Lange Nacht der Astronomie: die Sternschnuppen der Perseiden sind in der folgenden Nacht des 12. August garantiert mondfrei zu beobachten, der Neumond war ja gerade erst mit der Sonne beschäftigt!

Rund um das 88%-Maximum (20:13 Uhr MESZ) ändert die Sonnensichel innerhalb weniger Minuten deutlich ihre Orientierung, hier gerechnet für Bonn (links: 20:11 Uhr, rechts 20:14 Uhr MESZ). Grafiken erstellt mit Stellarium

Aus gegebenem Anlass sei hier noch einmal die von unserem verstorbenen Vereinsmitglied Helmut Burghard erstellte Übersichtsgrafik der Finsternisse für Bonn der Jahre 2015-2029 gezeigt. Keine Finsternis ist hier mit einem so hohen Bedeckungsgrad zu sehen wie diese vom 12. August 2026! Grafik: Helmut Burghard, Volkssternwarte Bonn e.V.

Beim Vollmond des 28. August kommt es in den frühen Morgenstunden zu einer Mondfinsternis, die ebenfalls hochgradig partiell ausfällt. Der bereits untergehende Mond taucht um 4:33 Uhr MESZ, noch 17 Grad hoch im Südwesten, in den irdischen Kernschatten ein. Das Maximum mit 93,5% Verfinsterung tritt um 6:13 Uhr MESZ ein. Da verblasst der Erdbegleiter nur noch vier Grad hoch am Horizont im Morgengrauen, bietet vielleicht aber ein schönes Fotomotiv.

Paul Hombach als Verfasser und die Volkssternwarte Bonn wünschen allen Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Beobachten!


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