Venus taucht für hiesige Breiten ausgerechnet dann ab, wenn sie ihre spannendste Phase zeigen würde. Mars wird immer besser sichtbar, gleiches gilt für Jupiter am Morgenhimmel. Saturn steht in Opposition und ist die ganze Nacht über gut beobachtbar.
Der kalendarische Herbstanfang fällt im Himmelskalender 2026 auf den 23. September, um 2:05 MESZ überquert die Sonne den Himmelsäquator nach Süden. An diesem Tag geht die Sonne für Bonn um 7:19 MESZ auf und um 19:28 MESZ unter. Bis zum 25. Oktober, wenn die Sommerzeit wieder um eine Stunde zurück auf MEZ gestellt wird, hat sich ihre Verweildauer am Bonner Himmel von 7:11 bis 17:20 MEZ verkürzt.
Beim Blick an den Abendhimmel des 1. Oktober um 21:00 MESZ ist im Westen mit Arktur, dem vierthellsten Stern des Nachthimmels, noch ein Vertreter des Frühlingshimmels zu erspähen. Im Südsüdwesten zieht das Sommerdreieck, bestehend aus Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler, am abendlichen Himmel die Blicke auf sich – umso mehr, da sich dort von dunklen Standorten aus das Band der Milchstraße erkennen lässt – wie eine himmlische Brücke ohne jeglichen Reparaturbedarf. Die Südosthälfte des Abendhimmels ist herbstlich: Auffällig ist das Herbstviereck, eigentlich das geflügelte Pferd Pegasus. Es gehört gemeinsam mit Andromeda, Kassiopeia und dem zenitnahen Kepheus zur Sage rund um Perseus. Das von Letzterem zu besiegende Meeresungeheuer Cetus (Walfisch) grenzt an die Ekliptik und bekommt in diesem Jahr Besuch von Saturn, es wird im Laufe des späteren Abends im Südosten höher steigen, während von Osten her dann Fuhrmann und Stier ihren Auftritt haben. Doch erst gegen 4:00 MESZ wird das Winterensemble mit den noch fehlenden Sternbildern Orion, Kleiner und Großer Hund sowie den Zwillingen im Südosten vollständig aufgezogen sein. Gegen 6:00 MESZ zeigen zeigt sich mit Krebs und Löwe im Osten zwei Frühlingssternbilder, die durch Mars und Jupiter bereichert werden.

Der Blick an den Bonner Nachthimmel am 1. Oktober um 21:00 MESZ zeigt den Lauf der Sommermilchstraße vom Südsüdwesten, wo der Schütze untergeht, durch das Sommerdreieck bis zur Kassiopeia zenitnah im Osten. Im Südosten leuchtet Saturn an der Grenze von Walfisch und Fischen. Grafik erstellt mit Stellarium
Merkur bleibt für mitteleuropäische Breiten unsichtbar, erst im Laufe des November wird er wieder am Morgenhimmel auftauchen. Venus verkürzt ihre Sichtbarkeit in der Abenddämmerung drastisch. Sie beendet ihr Abendgastspiel im September vorzeitig, da sie sehr südlich der ohnehin flach am Abendhimmel verlaufenden Ekliptik steht. Am 19. September, wenn sie ihren sogenannten maximalen Glanz erreicht, geht sie bereits eine knappe halbe Stunde nach der Sonne unter. Am 24. Oktober zieht sie 6,5 Grad unterhalb der Sonne vorbei – Venus steht in unterer Konjunktion. Nach diesem Überholmanöver auf ihrer Innenbahn wird Venus im November wieder am Morgenhimmel erscheinen.
Mars ist in der zweiten Nachthälfte zu beobachten. Mitte September steht er in den Zwillingen und geht gegen halb zwei Uhr nachts auf. Einen Monat später ist der rote Planet in den Krebs weiter gezogen. Er durchquert am 11. Und 12. Oktober den offenen Sternhaufen M44. Seine Aufgangszeit verharrt bei 1:06 MESZ. Ende Oktober hat sich die Helligkeit des Planeten sichtbar gesteigert, er steuert dann auf Jupiter im Löwen zu. Der Riesenplanet am Morgenhimmel wechselt bereits am 24. September vom Krebs in den Löwen, wo er seine Sichtbarkeit ausbaut. Für Teleskopbeobachter beginnt im Herbst 2026 eine Saison mit gegenseitigen Bedeckungen und Verfinsterungen seiner vier hellsten Monde, diese Ereignisse sind z.B. im Himmelskalender der VdS eingepflegt.
Saturn steht am 4. Oktober in Opposition zur Sonne und ist die gesamte schon recht lange Herbstnacht hindurch zu sehen. In diesem Jahr blicken wir zur Opposition auf die Südseite der bereits sieben Grad geöffneten Ringe – ein wieder vertrauter Anblick im Teleskop. Neptun, obwohl nur mit dem Fernglas zu erkennen, sei erwähnt, da er am 26. September in Opposition zur Sonne steht. Er steht in einem sternarmen Feld rund zehn Grad westlich von Saturn. Zur Opposition stört ausgerechnet der volle Mond (s.u.) die Neptunsuche.

Aufsuchkarte für das Fernglasobjekt Neptun am Abend des 30. September 2026, wenn der Mond nicht mehr mit seinem Licht stört. Grafik erstellt mit Stellarium
Der Mond erreicht seine Neumondstellung am 11. September, danach zieht er sehr südlich seine Bahn am Abendhimmel und braucht mehrere Tage, bis der dort wieder sichtbar wird. Vollmond ist am 26. September. In den Folgetagen kann man schön den Herbstmond-Effekt beobachten, wenn der Erdtrabant, noch fast als Vollmond, durch seine immer nördlichere Himmelsposition scheinbar zur fast gleichen Zeit aufgeht. Für den 10. Oktober steht ein weiterer Neumond im Kalender, bevor der Vollmond des 26. Oktober die Herbstnacht einen Tag nach der Zeitumstellung auf MEZ beleuchtet.
Paul Hombach als Verfasser und die Volkssternwarte Bonn wünschen allen Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Beobachten!


















